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Sachsen-Anhalt: Mehr Stammzellenspender als je zuvor

Die Hand eines Angestellten extrahiert in der DKMS Life Science Lab GmbH in Dresden DNS von Gewebeproben.

Die Hand eines Angestellten extrahiert in der DKMS Life Science Lab GmbH in Dresden DNS von Gewebeproben.

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Symbol/dpa

Halle (Saale) -

In Sachsen-Anhalt haben sich im vergangenen Jahr 18 200 Menschen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Das teilte die gemeinnützige Gesellschaft auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung mit. Die Zahl der potenziellen Stammzellspender erhöhte sich damit um 70 Prozent. Der Anstieg ist im bundesweiten Schnitt ein Spitzenwert. Zum Vergleich: In ganz Deutschland wuchs die Zahl nur um sieben Prozent.

Bei einer Typisierung wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich der Wangenschleimhaut gemacht. Anhand dieser Probe können die genetischen Merkmale des Menschen analysiert und dann in einer Spenderdatei gespeichert werden. Zu einer Spende kommt es nur, wenn die eigenen genetischen Merkmale mit denen eines Patienten übereinstimmen. Stammzellen werden zumeist von Menschen mit Leukämie gebraucht.

Der hohe Anstieg bei den Registrierungen sei laut DKMS in allen neuen Bundesländern zu beobachten gewesen. Der Hintergrund dafür ist, dass das Aufholpotenzial hoch sei, erklärt Sprecherin Anke Fünfstück: „In Ostdeutschland gibt es im Vergleich wenige Spender.“ Das zeigt sich daran, dass durch die DKMS in Sachsen-Anhalt erst 44.200 Menschen typisiert wurden. In Nordrhein-Westfalen sind es im Vergleich dazu mit etwa 917.000 über 20-mal so viele.

Bundesweit sind es in allen 26 bestehenden Spenderdateien - die DKMS ist die mit Abstand größte - insgesamt 6,4 Millionen Menschen. „Deshalb haben wir unsere Werbeaktivitäten in dieser Region auch verstärkt“, so Anke Fünfstück weiter. Hinzu komme, dass im vergangenen Jahr in den Medien oft zur Registrierung aufgerufen wurde. Zumeist passierte das im Zusammenhang mit konkreten Fällen. So berichtete die MZ zum Beispiel über den an Blutkrebs erkrankten Bastian Buske aus Raguhn (Anhalt-Bitterfeld). Für den 15-Jährigen hatte es daraufhin im Mai eine große Typisierungsaktion gegeben, bei der für einen anderen Leukämie-Patienten ein Spender gefunden wurde. „Solche Berichterstattung trägt dazu bei, dass das Bewusstsein für das Thema steigt“, sagt Fünfstück. Auch hilft der prominente Fall des FDP-Politikers und ehemaligen Vizekanzlers Guido Westerwelle, der an Leukämie erkrankte und dank einer Stammzellenspende gerettet wurde, neue Spender zu finden.

Internationales Vorbild

Eine Erfahrung, die auch andere Organisationen machen. „In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Zahl der registrierten Spender bei uns um über 60 Prozent“, sagt Heinz Robens. Er ist Geschäftsführer der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSD), die ihren Sitz in Dessau-Roßlau hat. Sie ist mit 112.000 Registrierten die bundesweit achtgrößte Datei. „Im Bereich der Stammzellspende ist Deutschland ein internationales Vorbild“, sagt Robens. Viele Stammzellspenden würden auch im Ausland zur Krankheitsbekämpfung eingesetzt. Allerdings warnt Robens davor, sich auf diesem Erfolg auszuruhen. „Immerhin findet jeder zehnte Patient keinen Spender“, so der DSD-Geschäftsführer.

Auch von Seiten der Politik wird deswegen weiterhin zur Typisierung aufgerufen. „Ich kann nur dafür werben, sich als Zellspender registrieren zu lassen“, sagt etwa Norbert Bischoff (SPD). Das tue weder weh, noch sei es aufwendig, so der Gesundheitsminister von Sachsen-Anhalt. „Doch eine Spende kann helfen, Leben zu retten.“ (mz)