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Sachsen-Anhalt: Expansion der Rockerbande Hells Angels hat sich angedeutet

Uhr | Aktualisiert 01.02.2013 21:43 Uhr

Kutte der Hells Angels (FOTO: ARCHIV/DPA)

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Das erste unmissverständliche Zeichen kam am 18. Oktober vergangenen Jahres. Da fuhren knapp 30 Hells Angels in Magdeburg ein, gut sichtbar an neuralgischen Punkten der Stadt. Sie nahmen provokativ gegenüber eines Bandidos-Treffpunkts im Zentrum einen Drink und verschwanden nach ein paar Stunden wieder.
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Halle (Saale)/Magdeburg/MZ. 

Es war eine Machtdemonstration. Der berüchtigtste Rockerclub der Welt hatte seine in den Jahren zuvor in Magdeburg mit den verfeindeten Bandidos vereinbarte Strategie, Sachsen-Anhalt nur als Transitland in Richtung Leipzig zu nutzen, verlassen. Die Bandidos bekamen zuletzt zunehmend die Expansion der Hells Angels in Richtung Osten zu spüren. In Niedersachsen haben sich in den vergangenen Monaten mehrere "Höllenengel"-Ableger gebildet, etwa in Helmstedt, Wolfsburg oder Celle. Im Norden Sachsen-Anhalts gab es 2009 mit den Red Devils in Salzwedel (Altmark) bereits einen Supporter-Club der Hells Angels.

Berliner fädeln ein

Sichtbare Ergebnisse des Drucks aus Westen und Berlin waren laut Landeskriminalamt im Januar die Auflösung der Bandidos-Chapter in Magdeburg und Halle und die nun erstmals von der Behörde bestätigte Gründung eines Hells-Angels-Charters in Magdeburg namens Eastgate. Maßgeblich eingefädelt worden sein soll die Magdeburger Charter-Gründung von zwei Berlinern: Kadir P. und Grischa V., beides pikanter Weise Überläufer von den Bandidos. Grischa V. war 2004 sogar einer der Gründer des Magdeburger Bandidos-Chapters, ehe er nach Berlin ging. Beide wurden in jüngerer Vergangenheit öfter in Magdeburg gesehen, sollen nun im neu gegründeten Charter aber keine führende Rolle spielen. Eastgate Magdeburg setzt sich offenbar hauptsächlich aus Magdeburgern und Niedersachsen zusammen.

In Halle sollen unterdessen nach MZ-Informationen drei Supporterclubs der Hells Angels existieren. Sie rekrutieren sich offenbar zu Teilen aus den Underdogs, einer weiteren Rockergang, die lange Jahre ihre Unabhängigkeit von den beiden großen Clubs betont hatte.

Underdogs nicht mehr neutral

Dass sie seit Frühjahr 2012 nun doch verstärkt in Richtung "Höllenengel" tendiert, könnte auch bei den Schüssen im Mai 2012 eine Rolle gespielt haben: Daniel K., ein führender Bandido, soll damals in Halle versucht haben, den Chef der Underdogs zu töten. Er wurde deshalb im Dezember zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt, hat dagegen aber Revision eingelegt. K. und Underdog-Chef Ralf H. galten ohnehin als privat verfeindet. Die Schüsse könnten aber auch ein letztes Aufbäumen der Bandidos an der Saale, eine Reaktion auf die zunehmende Tendenz der Gegner zu den Hells Angels gewesen sein.

Unklar ist, ob Bandidos jetzt in nennenswerter Zahl zu den Hells Angels überlaufen. In Berlin war das der Fall.