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Sachsen-Anhalt: Das Land klagt über den MDR

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 23:36 Uhr
Logo des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). (ARCHIVFOTO: DPA) 
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"Ein Sender für drei Länder" - so ausgeglichen wie der Werbeslogan klingt, ist der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) aus Sicht von Medienpolitikern aus Sachsen-Anhalt nicht. Sie beklagen zu wenige TV-Produktionen aus dem Land.
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MAGDEBURG/MZ. 

"Wir erwarten auch auf der ARD-Schiene ein größeres Engagement für Sachsen-Anhalt. Auch unsere Gebührenzahler wollen sich in der ARD wiederfinden", sagte der für Medien zuständige Chef der Staatskanzlei, Rainer Robra (CDU). "Ich spüre wachsenden Unmut in Sachsen-Anhalt. Wir haben außer dem Polizeiruf keinen prominenten Sendeplatz im Ersten", kritisierte auch Stefan Gebhardt, MDR-Rundfunkrat und Landtagsabgeordneter der Linken.

Hintergrund ist die Verteilung der quotenträchtigen TV-Produktionen, die der MDR für das überregionale ARD-Programm produziert. Sendungen wie der Tatort aus Leipzig haben eine enorme Zuschauerzahl und eine entsprechende Werbewirkung. Von einem Dutzend Formaten kommen je fünf aus Thüringen und Sachsen, aber nur zwei aus Sachsen-Anhalt: Neben dem Polizeiruf nur noch die Serie "Alles Klara", die in Quedlinburg (Harz) spielt - dabei handelt es sich aber nur um eine Vorabendserie. Die letzte Folge des Polizeirufs aus Halle mit Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler wird Anfang 2013 ausgestrahlt. Künftig soll der Krimi in Magdeburg spielen.

Nach der Verlagerung soll die Saalestadt nach dem Willen der Landesregierung keine fernsehserienfreie Zone sein. "Wir erwarten eine Kompensation für Halle. Dass Halle vom MDR nicht bespielt wird, ist nicht hinnehmbar", sagte Robra. Er will in dieser Woche bei einem Gespräch mit MDR-Intendantin Karola Wille die Verteilung der TV-Produktionen ansprechen. Er erkenne zwar die Bemühungen Willes zur Modernisierung des Senders an. "Wir drängen aber auch und erinnern den MDR daran, dass er eine Drei-Länder-Anstalt ist", sagte Robra. In einer Lage wie Sachsen-Anhalt sei Thüringen vor Jahren gewesen. "Die Entwicklung der letzten beiden Jahre sehe ich als Überkompensation an." In Thüringen spielen Tatorte gleich in zwei Städten (Weimar und Erfurt) und es wurden mit Nora Tschirner und Christian Ulmen zwei prominente Hauptdarsteller verpflichtet.

Auf MZ-Nachfrage blockte der MDR die Kritik ab. "Uns sind kritische Äußerungen von Minister Rainer Robra mit dem von Ihnen geschilderten Inhalt nicht bekannt", sagte Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi. "Unabhängig davon erkennen wir auch keine Benachteiligung einzelner Bundesländer." Der Sender drehe auch sehr viele Fernsehfilme in Sachsen-Anhalt, die im Ersten gezeigt würden - etwa "Zeit des Erwachens", der gerade in Halle entstehe.

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