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Saalekreis: Blitzlichter am Burggraben

Uhr | Aktualisiert 10.08.2008 23:12 Uhr
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Dreharbeiten «Die Päpstin»

Die Schauspieler David Wenham (l./Australien) und Johanna Wokalek auf der Burg Querfurt gemeinsam mit Regisseur Sönke Wortmann (r.): Auf der Burg laufen derzeit Dreharbeiten zum Kinofilm «Die Päpstin». (Foto: dpa)

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Seit knapp einer Woche werden auf der Burg Querfurt im Saalekreis erste Szenen für die Verfilmung des Bestsellers "Die Päpstin" gedreht. Am Wochenende wurde das Projekt von seinen Stars vorgestellt.
Querfurt/MZ. 

Die Fotografen geben alles: Sie drängeln, schieben, schubsen, zünden ein Blitzlichtgewitter. "Right here, right here", ruft einer hektisch. "Give me a smile", fordert ein anderer das so gefragte Lächeln. Clever, wer sich an diesem Samstagmittag Hocker oder Leiter zur Burg Querfurt mitgebracht hat und die Konkurrenz mit seiner Kamera überragt. Andere verlieren schon einmal die Nerven: "Nimm deine Pfoten weg", brüllt einer seinen Nebenmann an.

Das begehrte Motiv sind die Stars der Bestseller-Verfilmung "Die Päpstin" vor der mächtigen Kulisse der Querfurter Burg: Regisseur Sönke Wortmann, Hauptdarstellerin Johanna Wokalek ("Barfuss") und Darsteller David Wenham ("Herr der Ringe") - alle ganz unaufgeregt in Jeans. Und die Autorin des Romans, die amerikanische Schriftstellerin Donna W. Cross, ist nach Querfurt gekommen, um einen Blick hinter die Kulissen dieses ersten Drehorts der Verfilmung zu werfen. All das verursacht an der historischen Stätte im Saalekreis einen Massenauflauf der Medien: 78 Journalisten aus ganz Deutschland sind angereist, dafür wurden von Berlin aus sogar Shuttle-Busse eingesetzt.

"Dieser Film kam mir gerade recht", sagt Wortmann, "denn ich bin in eine Schublade gerutscht, aus der ich vielleicht mein Leben lang nicht mehr rauskomme". In Anspielung auf seine Regiearbeiten für "Das Wunder von Bern" und "Deutschland. Ein Sommermärchen" fügt er scherzhaft hinzu: "Es ist ja ein Thema, bei dem ich gar nicht in die Versuchung komme, einen Fußball auftauchen zu lassen."

Das würde in der Tat auffallen: Handelt "Die Päpstin" doch von einer jungen Frau, der Priestertochter Johanna (Wokalek), die im neunten Jahrhundert heimlich lesen und schreiben lernt und als Mann verkleidet in Rom zum Papst gewählt wird. Doch sie besitzt eine gefährliche Schwachstelle: Sie ist schwanger von ihrer großen Liebe Gerold (Wenham).

"Es gab Zeiten, da habe ich mich gefragt, ob ich lange genug leben würde, um den Filmdreh noch erleben zu können", kommentiert Donna W. Cross nicht ganz ernst gemeint das jahrelange Ringen um die Verfilmung. Zunächst waren Volker Schlöndorff als Regisseur und Franka Potente als Hauptdarstellerin vorgesehen. Vor einem Jahr dann entschied sich die Produktionsfirma Constantin Film nach Querelen mit Schlöndorff für Wortmann - und dieser wollte als "Päpstin" keine andere als Wokalek.

"Ich habe keinen Moment gezögert", sagt die 33-Jährige. Auch wenn sie dafür ihre langen Haare lassen musste: "Es ist für mich sozusagen ein Erlebnis von Kopf bis Fuß." Ihre Schiebermütze möchte sie jedoch partout nicht abnehmen: Darunter trägt sie eine Tonsur.

Europaweit hatte die Produktionsfirma nach einem geeigneten Drehort gesucht, bis man Fotos der Burg Querfurt sah, wo Regisseur Til Schweiger erst im Mai für seinen Film "1 1/2 Ritter" gedreht hat. "Dieser Ort ist perfekt", sagt Autorin Cross, "er kommt dem Ort sehr nah, den ich beim Schreiben im Kopf hatte". Auch das Filmteam ist begeistert. O-Ton des Australiers Wenham: "Unglaublich."

Freilich liegt das auch an Szenenbildner Bernd Lepel. Seit rund vier Wochen ist er samt Team und "abertausenden Requisiten" in Querfurt, um die mittelalterliche Burganlage in einen düsteren Schauplatz des neunten Jahrhunderts zu verwandeln. Da wurden Gemäuer mit einer abwaschbaren Spezialfarbe "eingerußt", Rasenflächen mit Erde abgedeckt und romanisch anmutende Häuser aus Gips aufgebaut, die Ende der Woche bei den Dreharbeiten in Flammen aufgehen sollen. Im Burggraben ist ein modriger Marktplatz entstanden, wo ab heute gefilmt wird.

Ein Riesenereignis für die Querfurter - zumal die Burg nur punktuell gesperrt wird. "Der Film ist Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt", sagt der stellvertretende Bürgermeister Torsten Pohl - auch, weil viele Einwohner als Komparsen mitmachen. Und er stellt nicht ohne Stolz klar, was bei all dem Rummel unterzugehen droht: "Der eigentliche Star ist die Burg."

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