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Rockerbanden: Rocker im Visier der Polizei

Uhr | Aktualisiert 01.02.2013 21:37 Uhr
Lederjacke mit «Bandidos»-Logo   (BILD: dpa/symbol)
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Die Polizei erhöht die Zahl der Razzien. Ein Bandenkrieg zwischen Bandidos und Hells Angels wie in Westdeutschland oder Berlin wird derzeit nicht erwartet.
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Halle (Saale)/Magdeburg/MZ. 

Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen Jahren deutlich den Druck auf kriminelle Rockerbanden erhöht. Laut Landeskriminalamt gab es 2010 noch drei Razzien, im Jahr darauf fünf, im vergangenen Jahr bereits sieben. Neben Drogen sind dabei oft auch Waffen sichergestellt worden.

In Sachsen-Anhalt gibt es nach Erkenntnissen der Polizei derzeit rund 170 Mitglieder in den verfeindeten Rockergangs Hells Angels und Bandidos sowie deren direkten Unterstützerclubs. Das sind etwas weniger als in der Vergangenheit angenommen. Mit der Auflösung der Bandidos-Chapter in Magdeburg und Halle haben sich allerdings die Kräfteverhältnisse deutlich verschoben: Im einstigen Bandidos-Land Sachsen-Anhalt gehören heute gut zwei Drittel der Mitglieder zu den Hells Angels und deren Supporter-Clubs.

Bei den kriminellen Rockervereinigungen geht es laut LKA um Geschäfte in der Türsteher-Szene, bei Prostitution, Drogen- und Waffenhandel. Erstmals bestätigte die Behörde am Freitag offiziell die Gründung eines Hells-Angels-Charters in Magdeburg. Die „Höllenengel“ waren sowohl von Niedersachsen als auch von Berlin in Richtung Sachsen-Anhalt expandiert. Sichtbare Machtdemonstrationen in Magdeburg soll es bereits im vergangenen Oktober gegeben haben.

LKA-Chef Jürgen Schmökel wollte die Lage am Freitag keineswegs verharmlosen. Aber: „Wir erwarten derzeit keine Auseinandersetzungen zwischen Bandidos und Hells Angels, wie sie typisch sind für Berlin, Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen“, sagte er. Die Entwicklung sei jedoch sehr dynamisch, eine Rückkehr der Bandidos nicht auszuschließen.

In Halle hatte es 2010 und 2012 Schießereien zwischen Bandidos und dem zunächst neutralen Rockerclub Underdogs gegeben, der nun zu den Hells Angels tendiert. Ende Januar, eine Woche nach dem Chapter in Magdeburg, hatten sich die halleschen Bandidos dann offiziell aufgelöst. Ein Sprecher des Clubs sagte, man wolle sich reorganisieren.

„Wir werden ein sehr wachsames Auge darauf haben“, sagte Schmökel am Freitag. Im Fokus stehe nach wie vor auch die Prüfung von Verboten. Zuletzt waren Hells Angels in Berlin, Kiel oder Köln verboten worden.

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