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Rechtes Osterfest im Harz: Braune Biedermänner

Kirche von Abberode

In Abberode soll ein Osterfest der JLO stattfinden. Hinter dem verein verbergen sich offen neonazistische Strukturen.

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MZ

Abberode/MZ -

Es klingt nach heiler Welt: Der Flyer, der die „lieben Gefährten“ zum Osterlager im Harz einlädt, wirbt mit einem „gemütlichen Beisammensein und Lagerfeuerabenden“, mit „Basteln und Ostereiersuchen für Kinder“, mit einem „Singewettstreit“ und der „krönenden Ostarafeier“ - eine Art heidnisches Osterfest, besonders beliebt in rechtsextremen Kreisen.

So harmlos und bieder, wie das viertägige Treffen vom 18. bis 21. April im Harz daherkommt, ist es nämlich nicht. Als Veranstalter firmiert die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) - ein Verein, der einer breiten Öffentlichkeit vor allem dadurch bekannt geworden ist, dass er über mehrere Jahre zu den alljährlichen Neonazi-Aufmärschen im Februar in Dresden aufgerufen hat. Doch es gibt auch Verbindungen nach Sachsen-Anhalt: Beobachter wie der Rechtsextremismus-Experte Martin Burgdorf vom Verein „Miteinander“ gehen davon aus, dass „Osterlager“ in Steinbrücken stattfindet, einem Ortsteil des 340-Einwohner-Ortes Abberode im Kreis Mansfeld-Südharz.

Streng völkischer Flügel der Rechten

Dort, auf dem Gelände eines alten Bauernhofes, hält der Verein nach Angaben des Verfassungsschutzes seit 2006 regelmäßig Treffen ab, auch über die Osterfeiertage - mit Wanderungen, Volkstänzen und Zeltlager, mit Kind und Kegel. Mal kamen 60 Besucher, mal 70. „Das ist Volkstum, von rechts aufgeladen“, sagt Burgdorf. Die JLO verkörpere den streng völkischen Flügel innerhalb der extremen Rechten.

„Es besteht kein Zweifel, dass die JLO offen neonazistisch agiert und die völkische Ideologie vertritt“, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel. Auf dem Osterlager-Flyer ist ein Logo zu sehen, dessen einer Bestandteil sich als Karte Deutschlands in den Grenzen von 1937 interpretieren lässt. „Wer so etwas darstellt, zeigt deutlich, wo er steht“, sagt Striegel. Und der Verein steht nicht allein: „Die JLO verfügt über enge personelle und organisatorische Verbindungen und Verflechtungen zu rechtsextremistischen Organisationen, unter anderem zur NPD und deren Jugendorganisation JN“, sagt Sachsen-Anhalts Verfassungsschutz-Chef Jochen Hollmann.

So waren auch frühere und heutige NPD-Funktionäre schon zu Gast in Steinbrücken. 2010 etwa referierte laut Verfassungsschutz der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Arne Schimmer bei einem Seminar über „Wendepunkte deutscher Wirtschaftsgeschichte“. Zwei Jahre später registrierten die Schlapphüte einen Besuch des ehemaligen NDP-Landesvorsitzenden Steffen Hupka (1996 bis 2000) bei einem Osterlager.

JLO im Visier des Verfassungsschutzes

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel sieht in Aktivitäten des Vereins wie den Osterlagern Ähnlichkeiten zur vor fünf Jahren verbotenen Neonazi-Organisation Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ). Die HDJ setzte auf militärischen Drill und rechtsradikale Indoktrination. In sogenannten Schulungslagern unterrichteten Funktionäre Kinder von Neonazi-Eltern in „Rassenkunde“ und vermittelten ein am Nationalsozialismus orientiertes Weltbild.

Ob es bei der JLO genauso zugeht, lässt sich nicht belegen. Es stelle sich aber die Frage, inwieweit der Verein als „Auffangbecken“ für frühere HDJ-Mitglieder diene, meint Striegel. Der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt hat keine entsprechenden Erkenntnisse: „Das ginge zu weit“, sagt Verfassungsschutz-Chef Jochen Hollmann. Die JLO ließ die Bitte der MZ um ein Gespräch unbeantwortet.