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Rechte Vorfälle am Gymnasium Landsberg: Direktor Freudel sucht das Gespräch

Gymnasium in Landsberg

Gymnasium in Landsberg

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Silvio Kison

Halle (Saale) -

In der Eingangshalle des Gymnasiums Landsberg (Saalekreis) stehen auf Tischen viele Blumenvasen und Kerzen. Damit gedenken die Lehrer und Schüler ihres kürzlich und plötzlich verstorbenen Kunstlehrers. Überall im Schulzentrum hängen Zettel, dass sich die Kinder an die Schulsozialarbeiterin wenden können, wenn sie Hilfe bei der Trauer brauchen. „Die Reaktion der Schüler auf diesen Schicksalsschlag waren beeindruckend“, sagt Direktor Lutz Feudel.

Doch seit drei Tagen machen einige Jugendliche seines Gymnasiums mit allem anderen als vorbildlichem Verhalten Schlagzeilen. Schüler einer neunten Klasse haben sich beim Zeigen des Hitler-Grußes fotografiert und diese Bilder dann in einer internen Klassengruppe beim Internetnachrichtendienst WhatsApp verschickt. Auch NPD-Plakate sind darunter, die an alle 29 Klassenkameraden gingen, die zwischen 14 und 15 Jahre alt sind. Unkontrolliert, ohne dass Eltern oder Lehrer Einblick hatten. Maßgeblich daran sollen vier Schüler beteiligt gewesen sein, gegen zwei von ihnen ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung und Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole.

Seitdem befindet sich das Gymnasium im Ausnahme- und Schockzustand. Zusätzliches Problem: Die Herbstferien haben gerade begonnen. Das macht die Aufklärung schwierig. Direktor Feudel ist dennoch darum bemüht. Am Dienstag hat er einen der betroffenen Schüler mit seinen Eltern zum Gespräch eingeladen. „Vater und Mutter waren völlig überrascht von den Vorwürfen“, sagt er. Auch mit den zwei anderen Schülern will er noch in den Ferien sprechen, der dritte macht gerade Urlaub in Spanien. „Es muss jetzt erstmal alles auf den Tisch: Wer hat wann was fotografiert, geschrieben oder hochgeladen“, fordert Feudel. Scheibchenweise Aufklärung sei mit ihm nicht zu machen.

Trotz der schweren Vorwürfe, der Direktor will nicht einfach den Stab über den Schülern brechen. Das hat für ihn auch das erste Gespräch gezeigt. „Tabubrüche gehören zu den Erfahrungen, die wir mit Jugendlichen immer wieder machen.“ Feudel geht im Moment nicht davon aus, dass die Schüler offen rechtsextreme Propaganda machen wollten.

Auf der nächsten Seite: Warum die Gerüchte einer "Nazi-Klasse" falsch sind und wie die Aufklärung voran getrieben wird.

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