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Rauschmittel: 18-Jähriger verstümmelt sich nach Drogenkonsum

Uhr | Aktualisiert 28.09.2003 14:39 Uhr
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Blüten der «Engelstrompete»

Intensiver Duft vor allem während der Nacht: Die stark giftigen Engelstrompeten stammen ursprünglich aus dem tropischen Südamerika. (Foto: dpa)

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Immer häufiger experimentieren Jugendliche mit Natur- oder Ersatzdrogen, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, häufig jedoch verheerender wirken als illegale Rauschgifte wie Heroin oder Kokain. Suchtberater und Psychiater in Sachsen-Anhalt warnen derzeit besonders eindringlich vor dem Konsum der so genannten Engelstrompete. Hintergrund ist der Fall eines 18-jährigen Hallensers, der Tee aus den Blüten der giftigen Pflanzen getrunken hatte und sich daraufhin schwere Verstümmelungen zufügte.
Halle/MZ. 

Informationen der MZ, wonach sich der junge Mann im Rausch mit einer Heckenschere einen Teil der Zunge sowie fast den gesamten Penis abgeschnitten hat, sind mittlerweile von Andreas Marneros bestätigt worden. "Das Pflanzengift hat bei ihm erst mit stundenlanger Verzögerung eine toxische Psychose ausgelöst", so der Direktor der halleschen Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Er könne vor dem Hintergrund des Falles nur dringend vor dem Konsum des giftigen Tees warnen.

Auch Bernd Kukielka von der Drogenberatungsstelle Drobs in Halle empfiehlt Jugendlichen, ihre Neugier zu zügeln. "Gerade beim Konsum von Naturdrogen wie Engelstrompete oder Stechapfel gibt es keine Garantie, wie stark die Wirkung ausfallen kann", so der Suchtberater.

Einerseits hänge die Wirkung von der geistigen und körperlichen Konstitution des Konsumenten ab, anderseits vom "Spiel der Natur". So seien die Substanzen von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark giftig. Trotz der Unwägbarkeiten griffen junge Leute immer häufiger zu diesen Naturdrogen. "Das Zeug wächst halt auf fast jeder Veranda", so Kukielka.

Diese Giftpflanzen mit halluzinogener Wirkung unterliegen nicht der Kontrolle durch das Betäubungsmittelgesetz. "Deshalb gehen Missbrauchsfälle auch gar nicht erst in die Statistik ein", so Reinhard Beer vom Landeskriminalamt.

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