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Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt: Plätze für Asylbewerber werden knapp

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Halle (Saale) -

Die weltweiten Krisenherde in Syrien, Irak und der Ukraine lassen die Zahl der Asylbewerber in Deutschland und damit auch in Sachsen-Anhalt weiter erheblich ansteigen. Das stellt die Kreise und Städte im Land vor riesige Herausforderungen. Insbesondere die Unterbringung wird zu einem Problem. So ist die Aufnahmekapazität der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt (Landkreis Harz) erschöpft. Und auch in den Landkreisen wird zum Teil händeringend nach Wohnraum gesucht.

2194 neue Asylanträge im ersten Halbjahr

Allein im ersten Halbjahr 2014 hat es laut Innenministerium 2194 neue Asylanträge in Sachsen-Anhalt gegeben. Das sind schon jetzt mehr als im Gesamtjahr 2012 (2 024). Auch gegenüber dem Vorjahr (3 405) wird es eine deutliche Steigerung auf weit über 4 000 geben. Im Vergleich zum Jahr 2009 hat sich die Zahl dann sogar verfünffacht. Hauptherkunftsland mit 18,6 Prozent der Asylantragsteller in Deutschland ist Syrien.

Während in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) Asylbewerber sogar vorübergehend in einer Zeltstadt untergebracht werden sollen, ist auch Sachsen-Anhalt zum Handeln gezwungen. In der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt entstehen derzeit 200 neue Plätze, die Ende September bezogen werden können. Auch die Stadt Halle rechnet damit, dass die zur Verfügung stehenden Unterkünfte bis zum Jahresende vollständig ausgelastet sein werden. Es würden zusätzlich 200 Plätze gebraucht, eine Ausschreibung für entsprechende Wohngemeinschaften laufe, hieß es. Auch der Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist auf der Suche nach Wohnungen. Nach Angaben von Vize-Landrat Bernhard Böddeker sei es Ziel, neue Asylbewerber möglichst alle dezentral in Wohnungen unterzubringen. Auf Zwischenlösungen musste bereits im Salzlandkreis zurückgegriffen werden. In einem Lehrlingsheim, das nicht komplett belegt war, leben neben Auszubildenden jetzt auch Asylbewerber, für die Unterkünfte benötigt wurden.

„Wir werden an Gemeinschaftsunterkünften nicht vorbeikommen.“

Heinz-Lothar Theel, Geschäftsführer des Landkreistages, sagte, dass sich die Leitlinie des Landes, Flüchtlinge möglichst in Wohnungen unterzubringen, aufgrund der Zahl der Asylbewerber wohl nicht wie gewünscht umsetzen lasse. „Wir werden an Gemeinschaftsunterkünften nicht vorbeikommen.“ Zudem seien gestiegene Kosten ein Problem. Das Land, von dem Kreise und kreisfreie Städte die Betreuung der Flüchtlinge übertragen bekommen, stelle über den Finanzausgleich 2015 wie schon in diesem Jahr 13 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir bräuchten aber eher 18 bis 20 Millionen“, so Theel. Das Finanzministerium relativierte: Zu den 13 Millionen kämen noch Mittel aus einem Reservetopf. (mz)