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Oddset Sportwetten: Sachsen-Anhalt zieht sich aus Sportwettenmarkt zurück

Die Bundesländer hätten das Glücksspiel gerne für sich.

Die Bundesländer hätten das Glücksspiel gerne für sich.

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imago stock&people

Magdeburg -

Es geht um Sport, Spielglück - und das große Geld: Sachsen-Anhalt zieht sich aus dem milliardenschweren Sportwettenmarkt zurück. So hat die landeseigene Lotto-Toto-Gesellschaft den Vertrag mit der Oddset Deutschland Sportwetten GmbH (ODS) gekündigt - einer Gesellschaft, mit der das Land groß in den Sportwettenmarkt einsteigen wollte. Doch statt hoher Gewinne droht dem Land als Gesellschafter ein finanzieller Schaden. Lotto-Toto wolle „Risiko für das Land abwenden“, sagt Sprecherin Astrid Wessler.

Hintergrund: Im Jahr 2012 sollte der Sportwettenmarkt neu geordnet und für private Anbieter geöffnet werden. Zuvor war nur die staatliche Oddset-Wette erlaubt. Der neue Glücksspielstaatsvertrag sieht seit 2012 die Vergabe von deutschlandweit 20 Konzessionen, also Lizenzen zum Veranstalten von Wetten, vor. Auch Lotto-Toto bewarb sich - und bediente sich als Teilgesellschafter dem Vehikel der ODS GmbH, an der sechs weitere Bundesländer beteiligt sind.

ODS zum „Zuschauen“ verdammt

Doch die ODS ist seit ihrer Gründung zum „Zuschauen“ verdammt, erklärt Geschäftsführer Christoph Schmidt, weil die Vergabe der Konzessionen durch ein juristisches Gezerre blockiert wird: Sportwett-anbieter, die bei der Lizenzvergabe nicht berücksichtigt worden waren, hatten geklagt, Verwaltungsgerichte beschäftigten sich daher seit 2012 mit dem Thema.

Lotto-Toto Sachsen-Anhalt steckte 228.000 Euro Kapital in die ODS, war mit 3,71 Prozent beteiligt. Das geht aus einer Beschlussvorlage der Landesregierung hervor, die der MZ vorliegt und über die heute beraten werden soll. Weil die ODS seit vier Jahren eine handlungsunfähige Firma ist, steht in dem Schreiben zudem, dass „ein Weiterführung der Gesellschaftsanteile insbesondere auch vor dem Hintergrund möglicher weiterer Finanzbedarfe der ODS nicht sinnvoll ist.“ Heißt: Das Land soll keine Firma bezahlen, die nicht arbeiten kann.

Es „steht zu befürchten, dass höchstrichterliche Urteile erst in zwei, drei Jahren vorliegen“, sagt ODS-Chef Schmidt. So sieht es auch Lotto-Toto. Laut Sprecherin Wessler ist die Kündigung zum Jahresbeginn 2017 „vorsorglich“ beschlossen worden. Sollte sich die Rechtslage ändern, könne „die Gesellschafterstellung überdacht werden“.

Juristischer Stillstand ein Ärgernis

Für die Lotteriegesellschaft ist der juristische Stillstand ein Ärgernis. „Die Gesellschafterrolle bot Lotto Sachsen-Anhalt die Möglichkeit, auf die Neuausrichtung des Produktes Oddset Einfluss nehmen zu können“, heißt es von der Lotto-Gesellschaft mit Blick auf das Onlinegeschäft. Das wächst seit Jahren - aus Sicht der deutschen Lotterien illegal, da den nichtstaatlichen Anbietern weiter die Lizenzen fehlen. Auf mehr als 4,5 Milliarden Euro beliefen sich die Sportwetten-Umsätze in Deutschland im Jahr 2014, teilt der Deutsche Sportwettenverband mit. Ein großer Teil des Geldes werde im Netz verdient.

Wie auch immer das Gezerre um die Lizenzen ausgeht: Für Kunden im Land bedeutet Lotto-Totos Kündigung nicht das Ende der Oddset-Wette am Kiosk. Für den Fall, dass das juristische Tauziehen endet und die ODS eine Lizenz bekommt, würde Lotto-Toto weiter Oddset-Sportwetten vertreiben, sagt Wessler - auch ohne Firmenanteil. Der Lotto-Toto-Plan von großen Profiten ist wohl dennoch vorerst begraben. Denn laut Schmidt wäre Lotto-Toto bei einer Lizenzvergabe nach heutigem Stand nicht mehr offizieller Veranstalter des Glücksspiels. Das wäre die ODS - nur für den Vertrieb würde Lotto-Toto vergütet.  (mz)


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