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OB-Wahl: Die Kandidaten und ihre Ziele

Uhr | Aktualisiert 22.01.2013 08:47 Uhr
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Sechs Kandidaten sind zur Oberbürgermeisterwahl in Leipzig zugelassen worden. Neben dem Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) schicken CDU, Grüne, Linke und die FDP Bewerber ins Rennen. Außerdem will ein unabhängiger Kandidat am 27. Januar den Chefposten im Rathaus erreichen. Die sechs Bewerber im Überblick:
Leipzig/DPA. 

BURKHARD JUNG (SPD): Der Amtsinhaber sieht Leipzig als lebendige, offene und soziale Stadt - und will sie als solche erhalten. Der 54-Jährige verweist auf Ansiedlungserfolge etwa im Logistiksektor oder in der Autoindustrie und nimmt für die Zukunft die Stabilisierung des Mittelstandes ins Visier. In den nächsten 25 Jahren soll der riesige Schuldenberg Leipzigs komplett abgetragen werden. Die Kultur sieht er als Aushängeschild. Eine soziale Spaltung der Stadt in Besserverdiener und Arme will er verhindern, dazu will er sich für auskömmliche Arbeitsplätze einsetzen. Die Schulsanierung will er vorantreiben und sich bei Unternehmen für die Schaffung von Betriebskindergärten einsetzen. Den Verkauf kommunaler Unternehmen, die der Daseinsvorsorge dienen, lehnt er ab.

HORST WAWRZYNSKI (parteilos, für die CDU): Für den ehemaligen Leipziger Polizeipräsidenten (60) ist Sicherheit ein zentrales Thema. Schon als Polizeichef hatte er die Drogenpolitik der Stadt Leipzig als zu lasch kritisiert. Auch die Sauberkeit hat der gebürtige Bayer auf dem Plan - illegale Graffitis sind ihm ein Dorn im Auge. Die Messestadt solle außerdem familienfreundlicher werden - Kita-Plätze sollen gebaut und der Sanierungsstau an Schulen und Turnhallen behoben werden. Wawrzynski will die Bundesgartenschau nach Leipzig holen. Die Leipziger Straßen müssten saniert werden, fordert er. Zudem brauche es ein stimmiges Verkehrskonzept, vor allem rund um Stadion und Arena. CDU-Mitglied will er nicht werden.

BARBARA HÖLL (Linke): Die 55 Jahre alte Bundestagsabgeordnete will die erste Bürgermeisterin Leipzigs werden. Sie hatte bereits 2005 einen erfolglosen Anlauf auf den Chefsessel im Rathaus unternommen. Höll hat ein Leipzig-ABC mit 25 Punkten vorgelegt, die sie im ersten Jahr angehen will. Es reicht von Arbeitsplätzen (mehr sozialversicherungspflichtige Jobs) bis zum Zoo (niedrigere Ticketpreise). Leipzig müsse den beschämenden Titel „Armutshauptstadt Deutschlands“ loswerden, das sei ihr wichtigstes Anliegen. Für die Kleinsten müssten mehr Kita-Plätze geschaffen werden. Der Slogan der promovierten Philosophin: „Substanz statt Show. Barbara statt Burkhard“.

FELIX EKARDT (Grüne): Der 40 Jahre alte gebürtige Berliner hat sich den Slogan „Kinder. Klima. Klein-Paris“ gewählt. Er will Eltern die schwierige Suche nach Kita-Plätzen mit einer Koodinierungszentrale erleichtern. Generell brauche Leipzig viel mehr Kita-Plätze, energetische Schulsanierungen müssten beschleunigt werden. Das Thema Klimaschutz will der Nachhaltigkeitsforscher zur Chefsache im Rathaus machen. Außerdem will er eine Gründerinitiative für Energieeffizienz und Kreativwirtschaft anschieben - das seien die Zukunftsbranchen. Prestigeträchtige Großprojekte lehnt er ab. Im Straßenverkehr müssten Fußgänger, Radler und Autofahrer gleichwertig behandelt werden. Ekardt wendet sich gegen den Verkauf kommunaler Unternehmen.

RENÉ HOBUSCH (FDP): Der 36-jährige stammt aus Köthen (Sachsen-Anhalt). Der selbstständige Rechtsanwalt legt seine Schwerpunkte auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Verbesserung des stellenweise löchrigen Leipziger Straßennetzes sowie auf Bildung. 20 neue Schulen sollen nach seinen Plänen bis 2020 gebaut werden. Die Stadtverwaltung müsse transparenter werden, fordert Hobusch. Dabei soll das Internet helfen, er setzt sich für eine „papierlose Verwaltung“ ein. Hohe Prioriät habe der Abbau des Leipziger Schuldenberges von mehr als 700 Millionen Euro. Dafür sollen auch kommunale Unternehmensbeteiligungen veräußert werden, die nicht der Daseinsvorsorge dienen.

DIRK FEIERTAG (unabhängig): Der 1979 in Braunschweig geborene Jurist wirbt mit dem Slogan „Feierabend für Jung - Feiertag für Leipzig“. Er kritisiert die Leipziger Stadtverwaltung als intransparent und will für mehr Bürgernähe sorgen. Ein Korruptionsbeauftragter soll her. Die Privatisierung kommunalen Eigentums lehnt er ab. Damit liegt er auf einer Linie mit der Mehrheit der Leipziger, die 2008 per Bürgerentscheid einen Teilverkauf der Stadtwerke verhinderte. Beim Nahverkehr will er Leipzig zum Vorreiter eines „fahrscheinlosen ÖPNV“ machen. Die Förderung der in Leipzig hochgeschätzten Kultur nennt er ein Schwerpunktthema. Allerdings müsse sie der Kassenlage der Stadt angepasst werden.