Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Notfälle in Sachsen-Anhalt: Jeder vierte Rettungswagen im Land kommt zu spät

Rettungsdienst

Rettungsdienst

Foto:

dpa/Symbolbild

Magdeburg -

Schlechte Zeiten für Unfallopfer und Notfallpatienten: In Sachsen-Anhalt kommt nahezu jeder vierte Rettungswagen (RTW) zu spät zum Einsatzort - das heißt, nicht in der gesetzlich vorgeschrieben Frist von zwölf Minuten. Dies geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Erben hervor.

Demnach waren im Jahr 2014 - aktuellere Zahlen gibt es noch nicht - lediglich 76,35 Prozent aller Rettungswagen pünktlich am Einsatzort. Das Rettungsdienstgesetz erlaubt aber nur in fünf Prozent der Einsatzfahrten Zeitüberschreitungen. Diese Quote wurde aber im Jahr 2014 in keinem einzigen Landkreis erreicht; bester war der Bördekreis, wo acht Prozent aller RTW-Fahrten verspätet waren. Schlusslicht ist der Landkreis Harz, wo nicht einmal jeder zweite RTW pünktlich vor Ort war.

Mehr Rettungswachen

Der Leiter des Eigenbetriebs Rettungsdienst im Landkreis Harz, Michael Werner, begründete die schlechte Quote mit der Kreisgebietsreform 2007, als der Landkreis Harz aus den Altkreisen Quedlinburg, Halberstadt und Wernigerode entstand: „Da wurden zunächst keine Veränderungen beim Rettungsdienst vorgenommen, um auf den neuen Zuschnitt des Kreises zu reagieren.“ Erst nach einem Gutachten, das auf Defizite hinwies, und Verhandlungen mit den Krankenkassen sei im Jahr 2014 ein neuer Rettungsdienstplan aufgestellt worden. Seither gebe es mehr Rettungswachen, 25 Prozent mehr Personal und mehr Fahrzeuge. „Wir spielen jetzt in einer anderen Liga“, so Werner. Aktuelle Zahlen für das Jahr 2015 lägen jedoch nicht vor.

SPD-Innenexperte Rüdiger Erben hält die Begründung, die Probleme lägen an der Gebietsreform, für nicht stichhaltig: „Auch in den Landkreisen Stendal und Jerichower Land, die von der Reform nicht betroffen waren, sind die Einsatzzeiten schlecht.“ Erben sprach von einer „prekären Lage“: Die Rettungszeiten seien nicht aus statistischen Gründen definiert worden, „sondern weil es um Leben und Gesundheit geht“. Bei einem Herzinfarkt gelten vier bis neun Minuten bis zum Eintreffen von Ersthelfern als entscheidend, um das Leben des betroffenen Patienten zu retten, mit jeder weiteren Minute sinkt die Überlebensrate nach Angaben von Medizinern um zehn Prozent.

Erben forderte daher vom Landesverwaltungsamt und dem Innenministerium als Aufsichtsbehörden der Landkreise tätig zu werden, damit die Hilfsfristen bei Fahrten der Rettungswagen eingehalten werden.

Probleme bei den Einsatzzeiten

Das Innenministerium bestätigte die Probleme bei den Einsatzzeiten; bei einer Analyse des Landesverwaltungsamtes im Jahr 2014 sei deutlich geworden, „dass Handlungsbedarf besteht“, sagte Sprecherin Nancy Eggeling. Daraufhin habe es „Gespräche mit Landkreisen gegeben“, in denen nach Ursachen für die langen Einsatzzeiten und nach Lösungen gesucht worden sei, so Eggeling. Die zusätzlichen Rettungswachen seien ein Ergebnis der Gespräche. Ob die Maßnahmen Wirkung zeigen, ist offen, ein Bericht des Landesverwaltungsamtes steht noch aus.

Positiver sieht es bei den Einsatzzeiten der Notärzte im Jahr 2014 aus: Hier sind knapp 86 Prozent pünktlich gewesen. Allerdings liegt hier die Hilfsfrist bei 20 Minuten, die in 95 Prozent aller Fälle eingehalten werden muss. In fünf Kreisen und kreisfreien Städten gelang das, am schlechtesten war auch hier der Landkreis Harz, wo lediglich 43 Prozent der Notarzteinsätze pünktlich waren. (mz)