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Neue Bundesländer: Ostdeutsche kehren wegen Familie in die Heimat zurück

Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 08:18 Uhr
Conny von Ludwig erläutert die Produktion. (FOTO: DPA) 
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Nach der Karriere kommt die Familie: Immer mehr abgewanderte Ostdeutsche kehren in ihre Heimat zurück. Nach erfolgreichen Jahren in den alten Bundesländern sehnen sich viele nach Freunden und Verwandten.
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Leipzig/dpa. 

Neun Jahre hat es gedauert, bis Conny von Ludwig in seine Heimat zurückkehrte. Gleich nach seinem Studium in Zwickau hatte der Hallenser den Osten der Republik verlassen, um im Westen Karriere zu machen. Für seine Rückkehr nach Halle hätte der 34-Jährige weniger Gehalt und eine schlechtere Position in Kauf genommen. Doch das war nicht nötig, denn mittlerweile werden auch in den neuen Bundesländern gut ausgebildete Fachkräfte gesucht. Immer mehr abgewanderte Ostdeutsche kehren in ihre Heimat zurück. Nach erfolgreichen Jahren in den alten Bundesländern, suchen viele wieder engeren Kontakt zu Freunden und Verwandten.

„Die Rückkehr nach Halle ist für meine Familie eine große Entlastung“, sagt von Ludwig. Im Drei-Wochen-Rhythmus fuhr der 34-Jährige von Hamburg nach Halle, um seinen ältesten Sohn zu sehen. „Das ist jetzt einfacher und mein jüngster Sohn kann mit seinen Großeltern aufwachsen.“ In Leipzig fand der Hallenser einen gut bezahlten Job als Abteilungsleiter bei einem großen deutschen Autohersteller.

Seit dem Fall der Mauer strömten mehr als vier Millionen Menschen von Ost nach West, auf der Suche nach Arbeit und besseren Aufstiegschancen. Mittlerweile kommen viele zurück - vor allem der Familie wegen. Nach einer Studie des Leibniz Institutes für Länderkunde in Leipzig ist heute jeder Zweite, der aus den alten in die neuen Bundesländer zieht, ein Rückkehrer - allein im Jahr 2010 waren es etwa 40 000. „Viele haben ihre Heimat aus wirtschaftlicher Not verlassen und kommen zurück, sobald sie die Möglichkeit haben“, sagt der Leiter der Studie, Thilo Lang.

Die Möglichkeiten auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt werden nach Expertenprognosen für Fachkräfte immer besser. Einer Vorhersage des ifo Instituts Dresden zufolge wird es in den neuen Bundesländern in etwa zehn Jahren Vollbeschäftigung geben. Für Firmen bedeutet das Personalmangel.

Kommunen und Ministerien der neuen Bundesländer werben mittlerweile verstärkt um die Rückkehr ihrer abtrünnigen Landessöhne und -töchter. Sachsen machte vergangenes Jahr Schlagzeilen mit dem Pendlertreff, außerdem verteilte Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) an einer Autobahnraststätte Eierschecke. In der brandenburgischen Uckermark ist in diesem Jahr ein Rückkehrer-Portal online gegangen und in Thüringen wurde die Kampagne „Thüringen braucht dich“ gestartet.

„Es ist sinnvoll, dass Städte und Gemeinden ihre Offenheit für Rückwanderer signalisieren und mit Portalen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern“, sagt Lang. Der Leipziger Rückkehrer-Studie zufolge können sich drei Viertel der abgewanderten Ostdeutschen eine Rückkehr vorstellen. „Die Gehälter sind im Osten weiterhin schlechter. Trotzdem ist der überwiegende Teil der Rückkehrer zufrieden“, erklärt Lang.

Conny von Ludwig wechselte beruflich von einer Airline in Hamburg zu einem Autohersteller nach Leipzig. „Das war ein Wechsel auf Augenhöhe, aber ich hätte wahrscheinlich auch geringeres Gehalt und eine schlechtere Position in Kauf genommen“, berichtet der 34-Jährige. In Leipzig leitet er eine Abteilung, die Verbesserungsvorschläge für die Fahrzeugproduktion macht. Zu seinem neuen Job in der alten Heimat sagt er: „Das ist perfekt.“

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