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Mitteldeutsche Zeitung | Nach Massaker in Frankreich: Ex-Angehörige der SS aus Sachsen unter Mordverdacht
29. January 2016
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Nach Massaker in Frankreich: Ex-Angehörige der SS aus Sachsen unter Mordverdacht

Blick auf die Ruinen von Oradour-sur-Glane (Zentral Frankreich) und eine Gedenktafel, deren Text lautet: «Gedenkstätte - Eine Gruppe von Männern wurde hier von den Deutschen massakriert und verbrannt - Besinnt Euch» (undatiert). Bekannt wurde der Ort durch das Massaker von Oradour, bei dem im Juni 1944 die deutsche Waffen-SS im Zuge einer Partisanenbekämpfung den ganzen Ort zerstörten und fast alle Einwohner ermordeten.

Blick auf die Ruinen von Oradour-sur-Glane (Zentral Frankreich) und eine Gedenktafel, deren Text lautet: «Gedenkstätte - Eine Gruppe von Männern wurde hier von den Deutschen massakriert und verbrannt - Besinnt Euch» (undatiert). Bekannt wurde der Ort durch das Massaker von Oradour, bei dem im Juni 1944 die deutsche Waffen-SS im Zuge einer Partisanenbekämpfung den ganzen Ort zerstörten und fast alle Einwohner ermordeten.

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archiv/dpa

Dortmund/Dresden -

Drei ehemalige Angehörige der SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ stehen unter Mordverdacht. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für NS-Verbrechen in Dortmund ließ in dieser Woche nach Angaben vom Freitag die Wohnungen der Beschuldigten in Sachsen und Niedersachsen durchsuchen. Die Männer, darunter zwei aus dem Raum Dresden, sollen an einem Massaker an 86 Einwohnern der nordfranzösischen Kleinstadt Ascq beteiligt gewesen sein. Zuvor war am 1. April 1944 an der Bahnlinie in der Nähe des Ortes ein Anschlag auf den Truppentransporter mit der SS-Einheit verübt worden.

Massaker an Zivilisten angeordnet

Die betagten Männer im Alter von etwa 90 Jahren haben eingeräumt, der Einheit angehört zu haben. Sie stritten aber ab, an Tötungen beteiligt gewesen zu sein, erklärten die Ermittler am Freitag.

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Nach dem Anschlag auf den Transport sollen Führer der Einheit, die von Deutschland aus unterwegs in die Normandie war, das Massaker an den Einwohnern angeordnet haben. Feldjäger sollen noch die Erschießung weiterer Bewohner verhindert haben. Die Rädelsführer kamen nach dem Krieg vor Gericht und wurden verurteilt.
In den vergangenen Tagen gab es auch Durchsuchungen bei nicht beschuldigten Männern in NRW und Baden-Württemberg. Sie hätten eine Affinität zur Waffen-SS, sagte Ermittlungsleiter Andreas Brendel von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Dortmund. Es seien Unterlagen beschlagnahmt worden. Ob dies auch zu weiteren Ermittlungen führen oder die Beschuldigungen erhärten kann, ist noch offen.

Massaker in Ascq nicht der einzige Tatvorwurf

Das Massaker in Ascq, einer Stadt bei Lille, ist nicht der einzige Tatvorwurf. Es gehe auch um weitere Tötungen, unter anderem an einem US-amerikanischen Fallschirmspringer auf deutschem Boden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in Fällen zwischen April 1944 und dem Kriegsende im Mai 1945. „Ascq ist aber der gravierendste Fall“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Brendel.
Die Dortmunder Schwerpunktstaatsanwaltschaft hatte die Durchsuchungen angeordnet, weil sie bereits gegen frühere Angehörige der Einheit „Hitlerjugend“ ermittelt hatte, ohne auf Beschuldigte in NRW zu stoßen. „Solche Ermittlungen gibt man nicht mehr aus der Hand“, sagte Brendel. Ob sich aus den Fällen Anklagen ergeben, ist ebenfalls noch unklar. (dpa)