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Nach Anschlag auf geplante Asylunterkunft: Fall Tröglitz bleibt rätselhaft

Ausgebrannter Dachstuhl in Tröglitz (April 2015)

Blick auf den ausgebrannten Dachstuhl der geplanten Asylbewerberunterkunft in Tröglitz (Burgenlandkreis)

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dpa

Tröglitz/Magdeburg -

Ein knappes Jahr nach dem Brandanschlag auf eine geplante Asylunterkunft in Tröglitz (Burgenlandkreis) treten die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft auf der Stelle. „Einen dringenden Tatverdächtigen gibt es weiterhin nicht“, sagte Klaus Wiechmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass der Fall ungeklärt zu den Akten geht: Die Untersuchungen der Polizei sollen „in den kommenden Wochen abgeschlossen und an die Staatsanwaltschaft übergeben werden“, sagte Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) gegenüber der MZ.

Dann müsste die Staatsanwaltschaft anhand des Ermittlungsberichts entscheiden - Anklage oder Einstellung. Doch laut LKA ist die Lage seit Oktober unverändert: Damals hatten die Ermittler der Sonderkommission „Kanister“ zwar einen Verdächtigen mit Kontakten in die rechtsextreme Szene präsentiert, Tage später wurde der Mann jedoch aus der Untersuchungshaft entlassen, da sich der Tatverdacht nicht erhärtete. „Seitdem gibt es keine neuen, entscheidenden Hinweise“, so von Koß. Das Land Sachsen-Anhalt setzt weiterhin eine 20 000-Euro-Belohnung für Täter-Hinweise aus. Der Brandanschlag im April hatte deutschlandweit Bestürzung ausgelöst.

Indes wird klar: Die Anzahl fremdenfeindlicher Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Sachsen-Anhalt hat 2015 bislang nicht gekannte Ausmaße angenommen: In einer vorläufigen Bilanz geht das Landes-Innenministerium von 58 Straftaten aus, die sich gegen Asyl-Unterkünfte und deren Bewohner richteten. Das ist eine Verachtfachung der Zahlen von 2014. Dabei ist die Bilanz noch nicht vollständig: Die Angriffe im Dezember, etwa die Anschläge in Gräfenhainichen (Landkreis Wittenberg), fehlen in der Vorab-Statistik.

Den Großteil der Taten machen Sachbeschädigungen und Propaganda-Delikte wie etwa Volksverhetzung aus, sagte Ministeriumssprecher Stefan Brodtrück. Doch es brannte nicht nur in Tröglitz: In Oschersleben (Börde) hatten Unbekannte eine Reihe von Müllcontainern am Eingang einer Unterkunft in Brand gesteckt. Ein Übergreifen der Flammen verhinderte die Feuerwehr. Der Fall blieb ebenso ungeklärt wie ein Anschlag mit Molotow-Cocktails auf eine geplante Unterkunft in Peißen (Saalekreis). Die Aufklärungsquote für Straftaten gegen Asylunterkünfte lag 2015 bei 52 Prozent, sagte Brodtrück.
Damit dreht sich die Gewaltspirale im Land ähnlich schnell wie in der gesamten Republik: In Sachsen verfünffachte sich die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte bis zum September (66) im Vergleich zum Vorjahr. In Thüringen kletterte die Zahl auf 71, eine Versechsfachung. Das Bundeskriminalamt hatte zuletzt von bundesweit rund 800 Fällen berichtet. (mz)