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Mehr Spezialisierung und Kooperation: Sachsen-Anhalts Kliniken im Wandel

Instrumente in einem Operationssaal

Instrumente liegen im Operationssaal in einem Klinikum für eine Operation bereit.

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dpa

Magdeburg/MZ -

Die 48 Krankenhäuser Sachsen-Anhalts müssen sich in den nächsten Jahren vom traditionellen Modell der Patientenversorgung verabschieden. Jens Hennicke, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) sieht die Häuser in einem „positiven Dilemma“. Der medizinische Fortschritt schreite voran und die Lebenserwartung der Menschen steige. Die Frage sei, wie diese Entwicklungen auch vor dem Hintergrund einer sinkenden Bevölkerungszahl zu finanzieren sei.

Hennicke fordert von den Häusern mehr Spezialisierung. „Wir müssen in unserem Bundesland derzeit nicht über die Schließung von Krankenhäusern reden. Aber es müssen nicht alle Kliniken alle Leistungen anbieten“, sagte er am Donnerstag auf einer Fachtagung, zu der die TK gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt eingeladen hatte. Zugleich mahnte Hennicke - auch angesichts der Debatte um die Universitätskliniken - mehr Kooperation der Häuser untereinander an.

Grenzen aufbrechen

Anja Naumann, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, sprach sich dafür aus, die Grenzen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung aufzubrechen. Gerade in ländlichen Gebieten sei dies der Schlüssel für die Sicherung der medizinischen Versorgung. Sie appellierte an die Krankenhäuser und die niedergelassene Ärzteschaft, sich für diesen Weg zu öffnen.

Peter Löbus, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft, geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert eine Kooperation und Vernetzung aller Leistungsbereiche, wozu auch die Rehabilitation und Pflege gehörten.

Nach Meinung von Löbus wird aber gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels die Bedeutung der Kliniken in den nächsten Jahren zunehmen. „Im Jahr 2025 wird jeder Zwölfte im Land 80 Jahre alt sein“, sagt er. Die Häufigkeit stationärer Leistungen nehme bereits ab dem 50. Lebensjahr rasant zu. Er fordert von Krankenhäusern, beim Ausbau der Fachabteilungen diesen Umstand zu berücksichtigen. Auf der anderen Seite macht er darauf aufmerksam, „dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren 50 Prozent aller Hausärzte aus Altersgründen ihre Praxis aufgeben werden“. Ähnlich sehe es bei vielen niedergelassenen Fachärzten aus. Für die Patienten sei dann die Klinik eine Alternative.

Geld aus zwei Richtungen

Einig sind sich alle Beteiligten, dass Sachsen-Anhalt trotz mancher Probleme eine Krankenhausversorgung auf hohem Niveau anbietet. „Allerdings“, so betont Löbus, „sind wir mit der gegenwärtigen Finanzausstattung nicht in der Lage, diesen Stand zu halten oder gar weiter zu verbessern.“ Die Krankenhäuser erhalten Geld aus zwei Richtungen. Die Krankenkassen kommen für die Behandlungskosten auf. Die Länder zahlen für Investitionen. „Doch“, so klagt Löbus, „Sachsen-Anhalt kommt seit Jahren seiner gesetzlichen Verpflichtung nicht nach.“ Es gebe inzwischen einen Investitionsstau von 120 Millionen Euro. Dem stehen, wie Staatssekretärin Naumann sagt, 20 Millionen Euro gegenüber, die das Land dafür in den Haushalt eingestellt hat. Erschwerend hinzu kommt, dass eine im Einigungsvertrag vereinbarte spezielle Investitionsförderung der ostdeutschen Kliniken Ende des Jahres ausläuft. Das schmälert ihr Budget zusätzlich.