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Magida in Magdeburg: Rund 6000 Magdeburger blockieren Pegida-Anhänger

Gegendemonstranten mit einem Schild und der Aufschrift« No Magida Für Dialog Weltoffenheit Toleranz» protestieren gegen die islamkritische Bewegung der Magida (Magdeburg gegen die Islamisierung des Abendlandes)

Gegendemonstranten mit einem Schild und der Aufschrift« No Magida Für Dialog Weltoffenheit Toleranz» protestieren gegen die islamkritische Bewegung der Magida (Magdeburg gegen die Islamisierung des Abendlandes)

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dpa

Magdeburg -

Zuhören und nicht abstempeln. Das hatte sich Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) kurz vor Beginn der Demonstration gegen Magida auf dem Alten Markt noch gewünscht. Doch dieser Wunsch blieb Montagabend in der Landeshauptstadt nur eine Illusion. Schon um 18.15 Uhr - und damit eine Viertelstunde vor dem eigentlichen Beginn der Magida-Veranstaltung - stehen etwa 200 Anhänger der islamfeindlichen Bewegung rund 2000 Gegendemonstranten gegenüber. Nur knapp fünf Meter voneinander durch deine Polizeikette getrennt. Beide Gruppen rufen sich gegenseitig ihre Slogans zu. Doch das „Wir sind das Volk“ der Magida-Anhänger geht bei  den „Haut ab“-Rufen der Gegner komplett unter.

Schon gegen 19 Uhr ist die Demonstration des Magdeburger Pegida-Ablegers gescheitert, die erste dieser Art in Sachsen-Anhalt. Der eigentlich geplante Zug der am Ende 600 Teilnehmer durch die Innenstadt wird vom Organisator abgesagt. Zu übermächtig ist der Widerstand der nach Schätzungen der Polizei 6 000 bis 7 000 Gegendemonstranten, die alle Zugänge zum Alten Markt blockiert haben.  „Ich bin glücklich über das Signal, das von Magdeburg ausgeht“, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Claudia Dalbert.

Den Magida-Teilnehmern zuzuhören ist aber nicht nur wegen der Gegendemonstranten unmöglich. Denn die Organisatoren haben die Devise ausgegeben, dass keiner mit der Presse reden soll. Ordner schirmen die Teilnehmer vor Fragen und Gesprächen ab. Die Demonstranten unterschieden sich aber auch schon äußerlich stark von dem Bild der Pegida-Anhänger in Dresden. Die überwiegende Mehrzahl sind junge Männer, viele tragen Bomberjacken, nach Einschätzung einiger Polizisten haben sich auch Magdeburger Hooligans darunter gemischt.

Ganz anders die Gegendemonstranten. Neben Studenten und Schülern geht auch die Mitte der Gesellschaft gegen Magida auf die Straße - Arbeitnehmer, Familien und Rentner. Und der Protest ist weit größer als von der Polizei erwartet. Sie hatte mit etwa tausend Teilnehmern gerechnet. Das macht die Situation für die Polizei aber nicht einfacher. Denn der Abzug der Teilnehmer von Magida gestaltet sich schwierig. Die Gegendemonstranten blockieren die Straßen. Sie wollen verhindern, dass die Teilnehmer am islamischen Kulturzentrum in der Nähe des Alten Marktes entlangziehen. Erst kurz vor 20 Uhr gelingt es der Polizei nach mehrmaligen Aufforderungen die verbliebenen Magida-Demonstranten vom Platz zu begleiten.

"Sachsen-Anhalt ist nicht Sachsen"

Die Kräfteverhältnisse in Magdeburg sind an diesem Abend  eindeutig. „Sachsen-Anhalt ist nicht Sachsen. Ich hoffe, dass sich diese Bewegung mit dem heutigen Abend bei uns im Land erledigt hat“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Wulf Gallert. Ob diese Prognose eintrifft, wird sich am kommenden Montag zeigen. Dann will Magida erneut auf die Straße gehen. Unwidersprochen wird das nach dem gestrigen Abend sicher nicht bleiben. 

(dpa)