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Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt: Imker stehlen Bienen

Biene

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Magdeburg/MZ -

Der zeitige Frühling lässt eine ganz besondere Art von Langfingern auf Beutezug gehen: Imker, die ihre eigenen Kollegen bestehlen. In den vergangenen Wochen hat die Zahl gestohlener Bienenvölker in Sachsen-Anhalt deutlich zugenommen.

Erst am Mittwoch wurden in Pollitz in der westlichen Altmark zwei Völker entwendet - unterwegs waren Bienendiebe in den vergangenen Wochen aber auch in den Kreisen Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Anhalt-Bitterfeld. Allein in der Stadt Sandersdorf-Brehna verschwanden von Mitte März bis Anfang April nach Angaben der Polizei zehn Völker. Vereinzelt werden aber auch nur Königinnen für die Nachzucht gestohlen. Für den Landesvize des Imkerverbandes, Ralf Bertram, ist auch klar, wer da nachts auf Beutezug geht: „Das sind natürlich keine normalen Bürger, sondern Imker, die Imker bestehlen. So traurig das auch ist.“

Nur 10 Prozent haben Ahnung

Das Phänomen sei bereits länger bekannt, besonders häufig wurden nach dem Winter 2013 Bienenstöcke gestohlen. Damals lagen die Verluste bei manchen Imkern bei 30 bis 50 Prozent. Bertram hat auch eine überraschende Erklärung für den Kollegenklau: „Die Diebstähle werden immer auf den Winter geschoben, dabei müssen wir das vor allem auf die Imker selber schieben“, sagt Bertram, der selber semiprofessionell als Wanderimker unterwegs ist. Von den 1 600 Bienenzüchtern, die es mittlerweile wieder in Sachsen-Anhalt gebe, „haben nur zehn Prozent wirklich Ahnung von der Imkerei“.

In der Folge würden Krankheiten, unter denen die Bienen in den vergangenen Jahren ohnehin verstärkt litten, weiter zunehmen. „Wir brauchen aufgeklärte Imker, die wissen, was zu tun ist, wenn ihre Stöcke etwa von der Varroa-Milbe befallen sind“, sagt der 49-jährige Verbandsvize aus Haldensleben (Börde). Die Varroa-Milbe saugt an den Bienen, der Blutverlust schwächt die Tiere und macht sie anfällig für andere Erkrankungen.

Diebstahl sehr einfach

Dass viele Imker nach dem Verlust ihrer Völker Kollegen bestehlen, hat zwei Gründe: Neue Völker zu züchten, ist aufwendig und kostet Geld. Im Schnitt schlägt der Verlust eines Stockes mit 500 Euro zu Buche. Zudem ist der Diebstahl relativ einfach: Bertram etwa stellt seine Völker auf Feldern auf: „Die Kästen stehen frei in der Landschaft herum. Da muss man nur hinfahren, aufladen und wieder wegfahren.“

Groß- und Berufsimker setzen inzwischen auf Technik, um den Bienenklau einzudämmen. Im Internet kursieren Lösungen für Fotofallen, die Mails an die Imker verschicken oder ein „Bienenfon“, dass im Fall eines Diebstahl den Besitzer informiert. Bertram arbeitet selber mit Kameras und GPS-Sender, die er in seinen Stöcken versteckt.