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Wulf Gallert tritt zurück: Hallenser Swen Knöchel soll übernehmen

Wulf Gallert

Wulf Gallert (Die Linke) zog die Konsequenzen aus dem Ausgang bei der Landtagswahl 2016 und trat als Fraktionsvorsitzender im sachsen-anhaltinischen Landtag zurück.

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dpa

Magdeburg -

„Wulf Gallert war in der Form seines Lebens.“ Birke Bull, Landesvorsitzende der Linken in Sachsen-Anhalt, spricht den Satz mit Bedacht aus. Das Lob gilt dem dreimaligen Spitzenkandidaten und ist ernst gemeint. Aber der Satz enthält das Wörtchen „war“. Gallerts Politkarriere geht seit Montagabend in ihre letztes Drittel, der 53-Jährige Wahl-Magdeburger hat sich schon einen Job fürs Abtrainieren ausgesucht.

Gallert will künftig Vize-Präsident des Landtages sein - und nicht mehr Chef seiner Fraktion. Ohne Groll und sichtlich entspannt verkündete er, dass er  nicht wieder für den Fraktionsvorsitz kandidieren werde. Schon seit Wochen war absehbar, dass es auch dieses Mal nicht für Gallerts Einzug in die Staatskanzlei reichen würde, für seinen Lebenstraum, eine rot-rot-grüne Koalition unter seiner Führung reichte es schlicht nicht. Die Linke selbst büßte über sieben Prozentpunkte ein, die Fraktion schrumpft von 29 auf 17 Abgeordnete. Gallert sagte, dass der Wahlausgang nichts mit seiner Entscheidung,  nicht wieder für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren, zu tun habe.

Das stimmt nur halb. Gallert gehört zu den Verlierern der Wahl. Und er ist ein parlamentarisches Urgestein . Er musste jetzt den Weg frei machen für einen Neuanfang in der Fraktion, der letztlich in einem neuen Spitzenkandidaten in fünf Jahren gipfeln soll. Das räumt Gallert am Ende auch ein: „Die Partei braucht einen Wandel und neue Gesichter.“ Freilich wird der Wechsel ein brutaler: Der 53-jährige Gallert gehörte 22 Jahre lang zum Führungszirkel der Fraktion – zunächst als Parlamentarischer Geschäftsführer. In dieser Zeit hatte er wesentlichen Anteil am Zustandekommen des „Magdeburger Modells“, der Tolerierung der SPD-Minderheitsregierung durch die  PDS. Zwölf Jahre lang war Gallert  Fraktionschef.  Mit ihm wechselt daher nicht nur der beste Redner des Parlaments von der Front in die Etappe.

Übernehmen soll nun der 42-jährige Swen Knöchel aus Halle. Der Finanzbeamte gilt zwar als Haushaltsexperte, über seine Führungsqualitäten ist aber wenig bekannt. Und als großer Redner ist Knöchel noch nicht aufgefallen. Vielmehr gilt er als  wenig kommunikativ nach außen. Knöchel tritt also in große Fußstapfen. Wer ihm als Vize zur Seite stehen wird, ist offen. (mz)


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