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Porträt: Grünen-Chefin Claudia Dalbert : Was bleibt vom Hype?

Claudia Dalbert

Claudia Dalbert möchte die Grünen erneut in den Landtag führen. Mit ihr als Chefin errang die kleinste Fraktion beachtliche Erfolge, laut Prognosen wird es dennoch hauchdünn.

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Andreas Stedtler

Magdeburg -

Claudia Dalbert geht im Wahlkampf dahin, wo es wehtut: Der Badeborner Weg ist eine Ausfallstraße in Quedlinburg, weit abseits vom Zentrum und dem Schloss. Hinter einer Supermarkt-Ausfahrt und den Bahngleisen liegt links der Zentralfriedhof und rechts ein An- und Verkauf. Dort, an dieser Straße ins Nichts, hängt genau ein Wahlplakat. Es ist eines der Grünen und ihrer Spitzenkandidatin. Ein symptomatisches Bild: Die glitzernde Politikshow, die Feuer und Jubelstürme entfacht, ist immer noch nicht Dalberts Sache - auch nicht nach fünf Jahren als Fraktionschefin im Landtag.

Kein Volkstribun

Sie ist kein Volkstribun, sagen Parteifreunde. Sie ist immer noch die strenge Professorin, sagen Konkurrenten.

Claudia Dalbert kennt die Etiketten, die ihr angeheftet werden. Als sie 2011 das Landtags-Parkett betrat, tat sie das als lupenreine Bildungspolitikerin. Eine Universitäts-Professorin aus Halle, die seit 1998 einen Psychologie-Lehrstuhl innehat. Eine, die sich tagsüber um die Lehrerausbildung kümmerte und abends an den Experten-Runden nationaler und internationaler Akademikerzirkel saß. Eine Fachexpertin von seltenem Format im Landtag.

Dalbert führte die Grünen vor fünf Jahren zurück ins Parlament - und beendete so eine 13-jährige Durststrecke der Partei. Die neue Frontfrau warf lange Schatten mit ihrer Bildungsexpertise, nicht mit ihrem Renommee als Umweltfachfrau. Damals murrte manch’ Grüner unzufrieden, es gehe um nichts anderes mehr als Bildung, Bildung, Bildung. Liebling der Massen war sie nie, aber ihre Fachkompetenz blieb unbestritten.

Damals, 2011, startete Dalbert mit viel Rückenwind in den Wahlkampf. Die Zeit schien reif für die Rückkehr der Grünen ins Parlament. Dafür sprachen die Wahlprognosen – und spätestens nach der Atomkatastrophe in Fukushima im März, wenige Tage vor der Wahl, wurden die Grünen vom bärenstarken Bundestrend getragen.

Heute, fünf Jahre später, ist die Frage: Was bleibt vom Hype? Vor der Wahl am 13. März lauten die Vorzeichen ziemlich exakt so: Fünf Prozent. Die Grünen wackeln.

Treten die Grünen, tritt Dalbert auf der Stelle? Wie kann es sein, dass 2013 im Land eine Hochschuldebatte entflammte, die Tausende Studenten auf die Straßen trieb - und die Grünen mit der Hochschulexpertin anstatt zu profitieren heute um den Wiedereinzug ins Parlament zittern?

Dalbert, zu kopflastig?

„Ihr fehlte die Erfahrung“, sagt der Vorsitzende eines Grünen-Kreisverbandes. „Demonstrationen sind keine akademischen Veranstaltungen, da geht es um Zuspitzung, Botschaften, zitierfähige Sätze.“ Es war Oppositionskollege Wulf Gallert (Die Linke), der damals die Punkte machte. Ein Problem der Grünen-Spitzenkandidatin ist bis heute, dass nur ein gutes Viertel der Bevölkerung weiß, wer Claudia Dalbert ist.

Dalbert, zu kopflastig? Die heute 61-Jährige hat hart gearbeitet, um aus der Akademiker-Rolle auszubrechen, in die sie bis heute von Kritikern gesteckt wird. Sie spricht von einer Lernphase, die sie in den ersten Jahren im Landtag durchlaufen musste. „Die Parlamentsarbeit war neu für mich, Führung war es nicht.“ Hart arbeiten muss sie auch deswegen, weil sie als Fraktionschefin im Landtag eben als Politik-Allrounderin und nicht als Mono-Thema-Spezialisten gefordert ist. Technologie, Umwelt und Kultur, für all diese Themen muss sie Taktgeberin sein können. Heute nennt sie den wirtschaftlichen Aufschwung als oberstes Ziel für die neue Legislaturperiode, gleichzeitig stellt sie sich strikt gegen einen Ausbau der Elbe.

Wie sich Claudia Dalbert in den vergangenen Jahren politisch entwickelt hat,  lesen Sie auf der nächsten Seite.

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