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Krebsärzte fehlen in Sachsen-Anhalt: Krebsgesellschaft fordert Ausbau von Telemedizin

Kassenpatienten in Sachsen-Anhalt warten laut einer Studie länger auf einen Termin beim Facharzt als Privatpatienten.

In einer Arztpraxis hält ein Arzt das Stethoskop in den Händen.

Foto:

dpa/Symbol

Magdeburg -

Die Krebsgesellschaft Sachsen-Anhalt fordert den Ausbau von Telemedizin in der Krebstherapie.

Nur so könne die Versorgung von Betroffenen in ländlichen Gebieten auch in Zukunft sichergestellt werden, sagte Sven Weise, Geschäftsführer der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft. An diesem Mittwoch (4. Februar) ist der internationale Weltkrebstag. Bei der Telemedizin schalten sich Patient und Mediziner per Computer und Videokamera zusammen. Auch medizinische Daten können übertragen werden.

Ärztemangel bedroht qualitative Versorgung

Der zunehmende Ärztemangel auf dem Land bedrohe eine qualitative Versorgung von Krebspatienten. „Krebs-Experten werden bei uns zunehmend knapper, und dabei sind die Wege in unserem Bundesland sehr weit“, sagte Weise. „Die Fahrzeit der Ärzte fehlt uns in der Therapie, und das können wir uns bald nicht mehr leisten.“

Der Bedarf an Krebsexperten ist da: In keinem anderen Bundesland sterben gemessen an der Einwohnerzahl mehr Menschen an Krebs als in Sachsen-Anhalt, wie aus Zahlen des Gemeinsamen Krebsregisters der Länder hervorgeht. Das Land führe die Statistik selbst dann an, wenn der Faktor der alternden Gesellschaft heraus gerechnet werde, sagte der Leiter des Tumorzentrums Sachsen-Anhalt, Professor Thomas Fischer. Dem Krebsregister zufolge starben im Jahr 2013 insgesamt 8360 Sachsen-Anhalter an Krebs, davon waren 4731 Männer und 3629 Frauen.

Jährlich rund 17.000 Neuerkrankungen

Laut Statistischem Landesamt verlaufen in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich viele Krebsleiden tödlich. Rund 27 Prozent aller Todesfälle im Jahr 2013 sind demnach auf Krebs zurück zu führen. Nach Angaben des Amtes erkranken jährlich rund 17.000 Sachsen-Anhalter neu an Krebs.
Ein Grund für die hohe Erkrankungsrate im Bundesland sei zu wenig Bewegung, zu ungesundes Essen und zu viel Rauchen, sagte Fischer. Aber auch die mangelnde Versorgungsstruktur auf dem Land trage zur hohen Krebssterblichkeit bei. „Ein fairer Zugang zu innovativen Therapien ist nicht für alle im Land gegeben“, sagte Fischer. Im nördlichen Sachsen-Anhalt gebe es nur noch einen Onkologen in Stendal. Die Region rund um Salzwedel sei bereits unterversorgt, was Krebsexperten angeht. „Da kommen in Zukunft einige Fragen auf uns zu“, sagte Fischer.

Telemedizin ist Zukunft

Die Zukunft sieht die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft in der Telemedizin: Krebstherapie über Videokonferenzen zwischen Haus- und Facharzt und Beratungshotlines seien Wege, die unbedingt vorangetrieben werden müssten, forderte die Krebsgesellschaft. „Das wird an den Unikliniken im Land bereits ausgeführt“, sagte Weise. „Aber noch nicht flächendeckend.“

In der Gesundheitsministerkonferenz der Länder Anfang Januar war Telemedizin ein Leitthema. Ein Ausbau der Behandlungsmethode soll bundesweit kommen, doch noch sind der Konferenz zufolge datenschutzrechtliche Bedenken nicht geklärt. Ziel von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sei es, bis zum Jahr 2016 ein Gesetz zur Behandlung mit Hilfe des elektronischen Datenaustauschs zu verabschieden.

In Sachsen gibt es bereits seit 2010 Krebsdiagnosen via Telemedizin. Fachexperten des Tumorzentrums setzten sich dabei wöchentlich mit Ärzten in Landkliniken zusammen. In Sachsen-Anhalt konferieren bisher nur Experten der Universitätskliniken in unregelmäßigen Abständen miteinander. (dpa)