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Kalter Krieg: Das waren die potentiellen Atombombenziele in Ostdeutschland

„Gadget“ nannten die Entwickler in Los Alamos die erste Plutonium-Bombe der Welt, die 1945 erfolgreich getestet wurde.

„Gadget“ nannten die Entwickler in Los Alamos die erste Plutonium-Bombe der Welt, die 1945 erfolgreich getestet wurde.

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Könau

Halle (Saale) -

Zwischen Erfurt und Peking zählt die geheime Liste mit der Identifikationsnummer 32006765 genau 948 Orte. Ganz vorn steht Abakan, ein Städtchen in Sibirien. Fast ganz hinten das 6.200 Kilometer entfernte Zerbst in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam ist beiden Städten, dass es sie nicht mehr geben würde, wären die jetzt erstmals öffentlich gewordenen Pläne aus einer Atomkriegsstudie des US-Militärs jemals zum Einsatz gekommen. Dann nämlich wären nicht nur Zerbst und Abakan, sondern auch Berlin, Moskau, Merseburg, Prag und all die anderen mehr als 900 Städte geworden, was sie nach dem Dafürhalten der Chefetage des Strategic Air Command (SAC) der US-Luftwaffe in einem III. Weltkrieg hätten werden müssen: legitime Ziele für vernichtende US-Atombombenangriffe.

Ein unruhiger Sommer

Es ist der Sommer des Jahres 1956, als die obersten Militärs im Pentagon an ihrer Strategie feilen. Der Kalte Krieg mit der Sowjetunion ist seit Stalins Tod drei Jahre zuvor zwar festgefroren. Doch unter Nachfolger Chruschtschow brodelt es im Ostblock. In Polen rebellieren die Arbeiter gegen das Regime. Ungarn grummelt. In Georgien wird ein Studentenaufstand blutig niedergeschlagen, und die DDR legt sich mit der NVA ein stehendes Heer zu. Washington reagiert aus eigener Sicht weitsichtig: Für den Fall einer Eskalation der Auseinandersetzungen mit dem Warschauer Pakt will SAC-Chef General Curtis LeMay einen Plan in der Tasche haben, der es den USA erlaubt, eine mögliche nukleare Auseinandersetzung zwischen den beiden Weltmächten nicht nur zu überleben, sondern auch zu gewinnen.

Das scheint aus amerikanischer Sicht möglich. Ein knappes Jahrzehnt nach dem ersten erfolgreichen sowjetischen Nukleartest liegt die Zahl der einsatzbereiten Atombomben auf US-Seite zehnmal so hoch wie auf sowjetischer. Weil in den frühen 50er Jahren noch keine Interkontinental-Raketen oder U-Boote mit nuklearer Bewaffnung existieren, setzt der von seinen Soldaten „Eisenarsch“ genannte LeMay auf eine Erstschlagstaktik. Das passt: LeMay hatte als Kommandeur des XX. Bomber Command im Krieg gegen Japan einen Napalm-Angriff auf Tokio befohlen, der mit 100.000 Toten als schwerste jemals geflogene Luftattacke in den Geschichtsbüchern steht.

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