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Jalloh-Prozess: Staatswaltschaft legt Revision gegen Urteil ein

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 12:01 Uhr

Der Angeklagte Andreas Sch. wurde wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe verurteilt.

(BILD: Archiv/dpa)
Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat Revision gegen das Urteil im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh eingelegt. Das teilte die Behörde am Freitag mit.
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dessau-rosslau/DPA. 

Der Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Zelle des Polizeireviers Dessau wird möglicherweise erneut aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat Revision gegen das Urteil des Landgerichtes Magdeburg eingelegt. Zwar sei der angeklagte Polizeibeamte wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Landgericht habe aber nicht geklärt, ob die aufgetretenen Verstöße gegen das Polizeigesetz möglicherweise auch als Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu werten seien. Dies müsse geprüft und rechtlich bewertet werden, teilte die Behörde am Freitag mit.

Jalloh war 2005 ums Leben gekommen. Er hatte nach Auffassung des Landgerichtes Magdeburg an Händen und Füßen gefesselt mit einem Feuerzeug eine Matratze in der Zelle in Brand gesetzt. Die Richter hatten in einem zweiten Prozess am Donnerstag einen ehemaligen Dienstgruppenleiter zu einer Geldstrafe von 10 800 Euro verurteilt. Er hätte als Verantwortlicher im Gewahrsamsbereich für eine ständige Überwachung der Zelle sorgen müssen. Das sei geboten gewesen, weil Jalloh stark betrunken gewesen sei und Drogen genommen habe. Über das Alter des Toten gibt es unterschiedliche Angaben.

Falls die übrigen Beteiligten an dem Verfahren das Urteil akzeptieren, wolle die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau sehr genau prüfen, ob sie die eingelegte Revision aufrecht erhält, teilte die Behörde weiter mit. Auch die Nebenklage, die die Familie des Toten vertritt, und die Verteidigung hatten nach der Urteilsverkündung angekündigt, möglicherweise Rechtsmittel gegen das Magdeburger Urteil einlegen zu wollen.

In einem ersten Verfahren am Landgericht Dessau war der heute 52 Jahre alte Dienstgruppenleiter freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aufgehoben. Der Fall Oury Jalloh hatte jahrelang auch international für Aufsehen gesorgt.

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