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Interview: Haseloffs DDR-Vergleich wird heftig diskutiert

Uhr | Aktualisiert 27.12.2012 20:42 Uhr
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) (ARCHIVFOTO: DPA) 
Die Urteile sind gegensätzlich: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) habe mit seinem DDR-Vergleich seine Glaubwürdigkeit verspielt, heißt es in Leser-Beiträgen und Internet-Kommentaren ebenso wie: "Haseloff hat völlig Recht".
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Halle (Saale)/MZ/JDS. 

Hier einige Auszüge aus den Debattenbeiträgen:

"Ich hatte in der DDR weniger Geld, damit aber gut und vor allem sicherer gelebt", formuliert ein Leser-Kommentar auf der Internetseite der MZ. Mit seinem DDR-Vergleich verspiele Haseloff "den letzten Rest Glaubwürdigkeit". Er gaukele Hartz-IV-Empfängern vor, sie hätten heute mehr Geld zur Verfügung als Akademiker in der DDR. "So etwas ist ein nicht zu ertragender Hohn" und verspotte die Lebenslage dieser Menschen.

"Haseloff hat völlig Recht mit seiner Einschätzung", heißt es hingegen auf der Facebook-Seite des MDR. Schließlich könne sich ein Hartz-IV-Empfänger tatsächlich mehr leisten als Arbeitnehmer in der DDR.

Ob der Ministerpräsident "die ganzen letzten Jahre geschlafen" habe, fragt ein anderer Leser-Kommentator. Die Probleme, die Haseloff anspreche, gebe es doch seit "mindestens zehn Jahren". Nur sei "von der Politik nichts vernünftiges dagegen getan worden".

Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern "leben mittlerweile oft schlechter als damals in der DDR", schreibt ein weiterer Leser auf der MZ-Internetseite. "Der Kaufkraftverfall begann mit der Einführung des Euro und setzt sich mit den politisch motivierten Strompreiserhöhungen fort."

Mit Ironie reagiert Leserbriefschreiber S. Dommer aus Bad Lauchstädt. Nach den Vergleichs-Rechnungen von Haseloff dürfte eine durchschnittliche DDR-Familie "weniger als 50 Prozent von Hartz IV gehabt haben. So weit unter dem Existenzminimum und trotzdem überlebt - da könnte man doch glatt über die Höhe von Hartz IV neu nachdenken."

Zu Aussagen wie Haseloff könne man nur kommen, "wenn man die Realitäten ausblendet", schreibt Wolfgang Bergmann aus Bernburg. "Ich weiß ja nicht, in welcher DDR er gelebt hat", heißt es weiter. "In der, die ich kenne, jedenfalls nicht."

Dass es heute fast allen materiell besser gehe als zu DDR-Zeiten, dieser Aussage Haseloffs stimmt Sebastian Kranich aus Halle zu. Aber: "Was Haseloff verschweigt, ist der Beitrag der CDU-Politik zur wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren. Denn seine Partei sperrt sich im Verbund mit der FDP stur gegen jegliche Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Und Haseloff persönlich steht auf der Bremse, wenn es um einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn geht."

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