Online-Aktionsankündigung-Einlaufkinder-RBL
Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Inklusion in Sachsen-Anhalt: Arbeitsmarkt für Menschen mit Handicaps soll öffnen

Symbolbild Rollstuhl

Für Menschen im Rollstuhl kann die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, gastronomischen Einrichtungen, Geschäften zu einer echten Herausforderung werden.

Foto:

DPA/symbol

Bad Dürrenberg -

Viel mehr Menschen mit Behinderungen sollen in Sachsen-Anhalt einen sozialversicherungspflichtigen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt erhalten. Zuerst geht es dabei um Männer und Frauen, deren geistige, seelische und körperliche Einschränkungen zwischen 25 und 50 Prozent der durchschnittlichen Leistungskraft liegen. Deren Förderung ist das Ziel von gegenwärtig 32 Projekten aus dem ganzen Land, die dafür spezielle Arbeitsplatz-Angebote entwickeln und umsetzen.

Diese 22 Unternehmen und zehn Betriebsabteilungen haben sich gestern in Bad Dürrenberg (Saalekreis) zur Landesarbeitsgemeinschaft der Integrationsfirmen zusammengeschlossen. Aus dem südlichen Sachsen-Anhalt sind zum Beispiel dabei: die Evangelische Stadtmission und der Peißnitzhaus-Verein, beide in Halle ansässig, und die Stiftung Seniorenhilfe Zeitz. Die nächste Zusammenkunft soll in wenigen Wochen folgen.

150 Millionen Euro in Sicht

Mit der Landesarbeitsgemeinschaft folgt man spät, als letztes Bundesland, dem Vorbild der anderen Länder. Dort gibt es solche Vereinigungen teilweise bereits sehr lange - in Westdeutschland über 30 Jahre, im Nachbarland Thüringen zum Beispiel auch schon seit 1999. Ein letzter Auslöser dafür, dass Sachsen-Anhalt jetzt auch nachzieht, ist ein kürzlich aufgelegtes Bundesprogramm. Es soll Behinderten den Einstieg ins Arbeitsleben zusätzlich erleichtern. Dazu können die Länder bis 2017 beträchtliche finanzielle Mittel aus einem Fonds abrufen, der mit insgesamt 150 Millionen Euro gefüllt ist.

Das in Aussicht gestellte Geld soll unter anderem dem weiteren Ausgleich von Nachteilen am Arbeitsplatz dienen. Über die konkreten Vergabe-Richtlinien ist aber noch nicht entschieden. Diese müssen vom Bundessozialministerium erst noch erarbeitet und beschlossen werden.

Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) zufolge stehen auch neue gesetzliche Regelungen auf der Agenda. Sie sollen Behinderten auf Dauer die Teilhabe an der Erwerbsarbeit ermöglichen. Das geschehe angetrieben durch den demografischen Wandel, einem damit verbundenen Mangel an Arbeitskräften. „Um voran zu kommen, brauchen Behinderte und Betriebe, die sich deren Integration stellen, eine qualifizierte Lobby-Arbeit.“ Das sei, so Bischoff, die Herausforderung, vor der die neugegründete Landesarbeitsgemeinschaft nun stehe. „Gemeinsam verschafft man sich besser Gehör, als einzelne Unternehmen es jemals können.“

Gastgeber der Gründungsveranstaltung war das Veranstaltungs- und Dienstleistungszentrum Bad Dürrenberg. Das im Jahr 2006 gegründete gemeinnützige Unternehmen schafft und erhält Arbeitsplätze für körperlich und lernbehinderte Jugendliche sowie schwerbehinderte Erwachsene. Unterstützung gewährt in Bad Dürrenberg die „Aktion Mensch“. Sechs Behindertenarbeitsplätze werden durch das Landesverwaltungsamt gefördert. Unter anderem betreibt die Gesellschaft neben einem barrierefreien Landhotel auch einen Pferdehof, eine Gaststätte im Kurpark und ein Gesundheitssportzentrum. Neue Möglichkeiten gibt es seit dem Umbau ehemaliger Werkstätten in ein Solebewegungsbad. Mit diesem Portfolio gehört die Einrichtung zu den größten Integrationsfirmen in Sachsen-Anhalt.

Deutschlandweit gibt es 842 Integrationsprojekte in der Wirtschaft. Auf diese Weise sind 24 000 Arbeitsplätze entstanden, 11 000 davon bieten schwerbehinderten Männer und Frauen eine Chance zur Teilhabe. In Sachsen-Anhalt sind in Integrationsprojekten derzeitig 210 Mitarbeiter beschäftigt. Als Schwerpunktbranchen erweisen sich der Küchenservice, die Reinigung und Wäscherei, die Gastronomie sowie die Wertstoffverarbeitung. Möglichkeiten bestehen auch im Baugewerbe, in der Garten- und Landschaftspflege sowie im Gesundheitssport.

Sachsen-Anhalt abgeschlagen

Im Bundesvergleich landet Sachsen-Anhalt, bestätigt das Sozialministerium, auf keinem der vorderen Plätze. Die Landesarbeitsgemeinschaft will es nicht dabei belassen. Im März trifft man sich schon wieder. Drei Sprecher übernehmen die Koordinierung der Aufgaben. Es sind Marc Fesca von der Integrationsgesellschaft der Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg, Sandra Adler-Lorenz von der Veranstaltungs- und Dienstleistungs gGmbH Bad Dürrenberg und Nora-Eilin Reinicke von der Reinicke GmbH Möbelfertigung und Bautischlerei in Dessau-Roßlau. (mz)