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In Sachsen: Twitter-Video zeigt grölenden Mob, der Bus mit Flüchtlingen blockiert

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Szenen voller Hass: Ein junger Flüchtlin steigt in Sachsen aus einem Bus. Ein brauner Mob grölt und pöbelt, macht den Asylsuchenden Angst.

Foto:

Screenshot Twitter-Video

Clausnitz -

Die nackte Angst steht dem dunkelhaarigen Jungen mit der blauen Jacke ins Gesicht geschrieben. Er hat die gefährliche und kräftezehrende Flucht nach Deutschland gewagt, hat es geschafft, will hier nur eins: endlich sicher sein! Und wie wird er bei seiner Ankunft in Sachsen empfangen? Mit blankem Hass.

„Der deutsche Angstmob begrüßt die, die dem Tod von der Schippe gesprungen sind“, fasst Entertainer Jan Böhmermann auf Twitter die hässlichen Szenen zusammen, die am Donnerstagabend vor dem Asylheim in Clausnitz passiert sind.

Eine grölende Meute von 100 Mann hatte den Bus mit traumatisierten Flüchtlingen bei seinem Eintreffen umringt und blockiert. „Wir sind das Volk“, skandierten die Rechten lautstark. Nein, das ist nicht das Volk, das sind Idioten!

30 Beamte waren laut Polizei Sachsen im Einsatz. Doch die konnten die Demonstranten nicht zurückhalten, wie man in dem Video sieht, das in den sozialen Netzwerken die Runde macht. Erst nach zwei Stunden konnte die Polizei durchgreifen und die Proteste auflösen.

Kritik an der Polizei

„Wie kann es sein, dass in Clausnitz ein wütender Mob direkt an die Windschutzscheibe eines Busses mit Flüchtlingen gelassen wird?“, fragt Philipp Bö am Freitag auf der Facebook-Seite der Polizei Sachsen.

Das Statement der Beamten:

„Hallo Philipp, die schrecklichen Bilder/Videos erreichten uns heute morgen via Social Media. Wir als Polizei müssen die Neutralität in unseren Einsätzen wahren. Das fällt uns in dieser Situationen wirklich schwer. Wir sind alle Menschen in den blauen Uniformen, die genau wie Du empfinden beim Schauen des Videos. Eins ist uns 100% klar: Verstößt jemand gegen geltendes Recht, ist es unsere Pflicht einzuschreiten und dies tun wir dann auch in aller Konsequenz. Es ist nicht hinnehmbar für uns was dort passiert ist. Gestern waren knapp 30 Beamte vor Ort um ankommende Asylsuchende in der kleinen Gemeinde zu schützen. Die Ankunft wurde von einer großen Personengruppe blockiert u.a. mit Fahrzeugen. Wir haben verhindern können, dass es zu körperlichen Auseinandersetzungen oder Verletzten kommt, wenn gleich wir psychische Folgen eines solchen Ereignisses schwer verhindern können. Insgesamt wurden 13 Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen. Mehr Infos gibt es heute noch in der Medieninfo der Polizei Chemnitz.“ (spuk/mz)