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In Dessau getötete Syrerin: Das kurze und qualvolle Leben der Rokstan M.

Rokstan M. berichtete vor ihrem Tod von Misshandlungen durch ihre Familie.

Rokstan M. berichtete vor ihrem Tod von Misshandlungen durch ihre Familie.

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MZ

Dessau-Rosslau -

Vielleicht ist es dieser Anruf, der ihr Schicksal endgültig besiegelt. Der Anruf, in dem ihre Mutter sie bittet, zurückzukommen. Der Anruf, bei dem ihr Vater weint. Also verlässt Rokstan M. das Frauenhaus, in dem sie seit einiger Zeit lebt, und geht zurück. „Ich habe doch nur eine Mutter und eine Familie!“, wird sie später sagen.

Jetzt ist Rokstan M., syrische Kurdin, tot. Am Freitag voriger Woche wurde ihre Leiche in einer Kleingartenanlage in Dessau-Roßlau entdeckt.

Die Pressemitteilung der Polizei dazu ist nüchtern überschrieben mit „Ermittlungen zum Verdacht eines Tötungsdeliktes“. Die Ermittler haben engste Angehörige im Visier, darunter ihren Vater und ihre Mutter.

Demütigungen und Gewalt

Von dem Anruf erzählt Rokstan M. in einem Interview mit dem Dessauer Autor Eike A., der ein Buch über Flüchtlinge machen will. Die Zusammenfassung des Gesprächs ist das erschütternde Dokument eines Martyriums. Rokstan M. lebte ein kurzes qualvolles Leben, geprägt von Demütigungen und Gewalt. Sie wurde nur 20 Jahre alt. Ihre Geschichte gewährt auf erschreckende Weise Einblicke in Wertvorstellungen, die unseren westlichen kaum ferner sein könnten.

Vor zwei Jahren kommt ihre Familie nach Deutschland, nach einer Flucht aus Nordsyrien über die Türkei. In Deutschland wollen sie sich ein neues Leben aufbauen, Rokstan, ihre Mutter, zwei kleinere Brüder. Der Vater, schwer krebskrank, ist schon länger hier. Als sie ihn wiedersieht, sie, die immer ein Vaterkind gewesen ist, hofft sie wohl, dass nun alles besser wird. Die Hoffnung trügt.

Rokstan M. ist durch zwei Höllen gegangen. Die des syrischen Bürgerkrieges. Und die ihrer Familie.

Junge Frauen als Freiwild

Syrien, 2011. Der Krieg hat begonnen, in der Stadt, in der Rokstan mit ihrer Familie lebt, sind junge Frauen Freiwild. „Sie haben sich einfach die Mädchen genommen, wann sie wollten“, diesen Satz von ihr hat A. notiert. Sie, das sind Soldaten der syrischen Armee und Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat“.

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