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Hoyerswerda in Sachsen: Hund starb nicht durch Wolfsangriff

Wolfsrudel im Fläming

Die Aufnahmen eines Wolfsrudels aus dem Fläming wurde mit Hilfe einer so genannten Fotofalle nahe der Ortschaft Göritz in Brandenburg gemacht.

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Archiv/dpa

Hoyerswerda/dpa -

Der in Hoyerswerda getötete Hund ist nicht von einem Wolf angegriffen worden. Das hat die Analyse von DNA-Spuren ergeben. Die im Maul des Kadavers gefundenen Spuren stammten vielmehr von der Mischlingshündin (Ridgeback und Dogo Canario) im angrenzenden Gehege der Tierpension, teilte das Umweltministerium am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Zunächst war von einem Boxer-Mischling die Rede gewesen.

Bei dem verletzten Hund, der Kampfspuren am Ohr hatte, sei wiederum DNA des getöteten Schäferhund-Mischlings gefunden worden. Demnach hatten sich beide Hunde zweifellos einen Kampf geliefert. DNA eines anderen Tieres wurde nicht gefunden.

Der Kadaver des toten Hundes wird im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht. Die DNA-Analyse nahm das Senckenberg-Institut für Wildtiergenetik in Gelnhausen (Hessen) vor.

Ein Tierarzt hatte für die tödliche Attacke am 10. Januar einen Wolf verantwortlich gemacht - was die Emotionen sofort hochkochen ließ. Denn bisher wurde ein Wolf in Sachsen noch nie in einer Stadt gesichtet. Die Hunde gehörten zu einer Tierpension, die am Stadtrand von Hoyerswerda nur wenige hundert Meter vom Wald entfernt liegt. Das Terrain ist laut Pensionsbesitzerin Cornelia Schreiber mit einem etwa 1,50 Meter hohen Zaun umgeben.

Der Tierarzt diagnostizierte einen sogenannten Drosselbiss an der Kehle des Schäferhund-Mischlings. Allerdings waren schnell auch Zweifel aufgetaucht. Experten vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz widersprachen der Diagnose. Nach Angaben des Kontaktbüros hat das auch die Obduktion ergeben.

Hoyerswerda gehört zum Einzugsgebiet des sogenannten Seenland-Rudels - eines von 15 nachgewiesenen Wolfsrudeln oder -paaren in Sachsen und im Süden von Brandenburg. Das Wolfsbüro räumt ein, dass es durchaus Zwischenfälle mit Hunden geben kann, weil Wölfe Hunde häufig als Artgenossen ansehen und als Eindringlinge in ihr Revier betrachten könnten.
Die Debatte über die Wölfe wird in Sachsen sehr emotional geführt. Bisweilen fürchten sogar Anwohner um ihre Kinder. Dabei gilt der Wolf als äußerst scheues Tier. Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) hatte immer wieder eine sachliche Debatte angemahnt. Der Freistaat hat auch Regelungen getroffen, falls ein Wolf aggressiv oder auf andere Weise zum „Problemwolf“ wird. Dann kann das Tier eingefangen oder geschossen werden. Bisher wurde kein Gebrauch davon gemacht.
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rief zu einem sachlichen Umgang bei Vorfällen in den Wolfsgebieten auf. Mit Sorge beobachte man die Entwicklung vorschneller Schuldzuweisungen, erklärte der Nabu-Wolfsexperte Markus Bathen. „Insgesamt ist die Situation unverändert: eine gute Nachbarschaft von Mensch und Wolf ist möglich. Dem Wolf dürfen nur nicht Taten in die Schuhe geschoben werden, die er nicht verursacht hat.“