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Hochwasser in Aken: Private Hilfe aus der Partnerstadt Erwitte

Hochwasser in Aken

Am 10. Juni wurden in Aken Pegelwerte von 7,67 Meter gemessen. Der neue Lidl-Markt und die Kaiserstraße in Aken stehen unter Wasser.

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Claus Blumstengel

Erwitte/Aken/dpa -

In der Scheune stapeln sich Fernsehgeräte, Möbel und Kartons. Tobias Köhler erzählt begeistert von der Resonanz auf seinen Hilfe-Aufruf. „Als der Feuerwehr verboten wurde, nach Aken zu fahren, bin ich zunächst sauer gewesen. Dann habe ich gedacht, dass wir dann eben nach der Flut beim Aufbau helfen müssen“, sagt der 32-Jährige.
Eigentlich hatten Feuerwehrleute aus Erwitte in der Partnerstadt Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) helfen wollen, wurden jedoch gestoppt. Die Behörden in NRW wollten keine eigenmächtig organisierten Hilfseinsätze.

Immer wieder wird Köhler nun unterbrochen, weil sein Mobiltelefon klingelt. „Das ist die meist gehörte Melodie hier“, lacht eine Helferin, während Köhler mit einem Spender spricht, der noch einige Möbel bringen will. Unterdessen verstauen andere Helfer Lebensmittel, Kleidung und Möbel in drei Sattelaufliegern. Am Samstag startete der erste Transport Richtung Sachsen-Anhalt.

„Der Landkreis hat ein Lager zur Verfügung gestellt“, sagt der Bürgermeister von Aken, Hansjochen Müller (SPD). Lebensmittel sollen ins Rathaus gebracht werden, der Rest soll erst zwischengelagert werden, bis der Bedarf klar ist. Müller: „Um die ganz große Katastrophe sind wir ja herumgekommen.“ Deshalb will er die Hilfe, die er nicht benötigt, weiterleiten an die „die richtig abgesoffen sind“.

In Erwitte bereitet sich Köhler auf die Abfahrt vor. Mehrere Zugmaschinen und Sattelaufliegerhat der Lastwagenfahrer bei Speditionen aus dem Umkreis locker gemacht. „Die waren sofort bereit zu helfen“, sagt Köhler. Lebensmittelhändler und Supermärkte spendeten Lebensmittel, Privatleute fahren mit Wäschekörben voll Kleidung vor. „Klar gibt es auch in Aken Lebensmittel und alles andere“, sagt Köhler. „Aber hier bekommen wir es gespendet, und die Leute in Aken können jetzt ihr Geld bestimmt dringend für den Aufbau brauchen.“

2002 hatte Köhler mitbekommen, welche Zerstörungen das Wasser hinterlässt. „Da habe ich in Aken Sandsäcke gefüllt und beim Deichbau geholfen“, sagt er. Wenn das Wasser weg sei, sei doch vieles zerstört. Auch mit Hilfseinsätzen kennt sich der Lastwagenfahrer aus. Er war vor zehn Jahren an einem Hilfstransport nach Afghanistan beteiligt. „Sachsen-Anhalt ist nicht Afghanistan, aber viele Menschen stehen da jetzt vor den Trümmern ihrer Existenz“, sagt Köhler.

Auch Erwittes Bürgermeister Peter Wessel (CDU) lässt vom Bauhof Möbel abholen. „Wir gucken uns das natürlich ganz genau an“, sagt er. Nicht dass da Leute ihren Müll auf diese Weise entsorgen. „Was wir bis jetzt bekommen haben, ist völlig in Ordnung. Es gibt Leute, die fahren in ein Geschäft, kaufen Kleidung und bringen sie uns“, sagt Köhler. Ingo Albrecht aus einem Nachbardorf liefert schon zum wiederholten Male Spenden ab. „Ich habe das ins Facebook gestellt, jetzt bringen mir Kunden, Freunde und Bekannte die Sachen ins Büro.“

Tobias Köhler rechnet damit, dass sein Lastwagen-Pendelverkehr zwischen Erwitte und Aken bis August dauern könnte. Zunächst wollen die Helfer Lebensmittel und Kleidung in die Partnerstadt bringen, danach dann auch Möbel. „Außerdem sammeln wir Baustoffe, weil da doch jetzt alles gebraucht wird“, sagt Köhler. Und sogar an die Landwirte will man denken. „Wir haben schon von einigen Bauern Futter zugesagt bekommen, das fahren wir dann auch nach Aken.“