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Hochwasser an Weißer Elster, Saale und Mulde: Wassermassen in Sachsen-Anhalt sorgen für Rekordstände

Uhr | Aktualisiert 04.06.2013 08:39 Uhr
Luftbild vom Hochwasser in Dessau-Roßlau  (BILD: Andreas Stedtler)
Volle Keller, gesperrte Straßen und bedrohte Deiche - das Hochwasser in Sachsen-Anhalt hat teils nicht gekannte Rekordstände erreicht. In Magdeburg wurde das Pretziener Wehr geöffnet. Die Flut wälzt sich weiter nach Norden.
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Halle/Magdeburg/dpa/MZ

Sachsen-Anhalt droht nach offiziellen Einschätzungen ein noch schlimmeres Hochwasser als bei der Jahrhundertflut 2002. „Wir haben es mit Wassermassen zu tun, die wir noch nie zu bewältigen hatten“, betonte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Montagabend in Halle. Die Stadt befürchtet nach eigenen Angaben das schlimmste Hochwasser seit 70 Jahren. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hatte schon am Nachmittag Katastrophenalarm ausgerufen. Magdeburg sollte am Dienstagmorgen folgen.

2002 seien die Überflutungen von Elbe und Mulde gekommen, erklärte Haseloff. Jetzt strömten in kurzer Zeit extreme Wassermassen von allen Seiten auch von der Weißen Elster ins Land. Ein Ende sei nicht absehbar, daher sei mit weiter steigenden Pegelständen zu rechnen. Hunderte Einsatzkräfte sind im Land im Einsatz.

Allerdings sei die Situation mit der Jahrhundertflut 2002 nicht zu vergleichen, da seither Deiche saniert und erneuert worden seien - jedoch nicht überall, da Genehmigungsverfahren zu lange gedauert hätten, räumte Haseloff ein.
In Halle wurden im Wettlauf mit der Zeit Deiche mit Sandsäcken und einem mobilen System verstärkt, um Teile der Altstadt, der Plattenbausiedlung Halle-Neustadt und die Bundesstraße 80 vor Überflutung zu schützen. Es werde mit einem Wasserstand von 7,50 Meter für die Saale gerechnet, hieß es. Das letzte Hochwasser gab es 2011 mit 6,93 Meter für die Saale - normal sind knapp zwei Meter. „Die Lage ist angespannt. Wir bereiten uns auf einen richtigen Schub des Hochwassers vor“, sagte Oberbürgermeister Wiegand.

Tausende Menschen im Land mussten wegen des Hochwassers schon ihre Wohnungen verlassen. Die Bundeswehr stellte Feldbetten bereit, Freiwillige und Feuerwehrleute arbeiteten pausenlos an der Sicherung der Deiche. Zu Wochenbeginn waren vor allem Saale, Unstrut, Mulde sowie Weiße und Schwarze Elster betroffen, in den kommenden Tagen sollen aber auch die Pegelstände der Elbe weiter steigen.

„Diese Lage ist extrem ernst“, sagte Haseloff bei der Öffnung des Pretziener Wehrs in der Nähe von Magdeburg, womit rund ein Drittel des Wassers der Elbe um die Stadt herum geleitet wird. „Die Situation hat sich in wenigen Stunden deutlich verschlechtert.“ Streckenweise gebe es Pegelstände, die man nie zuvor gesehen habe. Die Deiche seien aber nach den jetzigen Erkenntnissen sicher. Seine ursprünglich für Freitag geplante Reise nach Israel sagte Haseloff ab.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz erklärte, zwischen Sachsen und dem Pegel Barby bei Magdeburg werde die Elbe vermutlich die Werte des Jahrhunderthochwassers 2002 erreichen. Weiter flussabwärts würden sie voraussichtlich sogar überschritten. In Halle werde der Höhepunkt am Dienstagvormittag erwartet, das Hochwasser werde im Land aber noch mehrere Tage andauern.

Auch der Burgenlandkreis, der Kreis Anhalt-Bitterfeld und die Stadt Dessau-Roßlau riefen den Katastrophenalarm aus. Damit ist der Landkreis und nicht mehr die jeweilige Gemeinde zuständig. Zudem kann die Bundeswehr eingesetzt werden. In Halle wie auch im Burgenlandkreis wurden zahlreiche gefährdete Häuser geräumt.

Zwischen den Landesgrenzen zu Thüringen und Sachsen sei die Weiße Elster über die Deiche getreten, sagte der Leiter des Krisenstabes im Burgenlandkreis, Dieter Engelhardt. Am Nachmittag meldete der Landkreis einen Pegelstand der Weißen Elster bei Zeitz von 6,45 Meter. Das ist der höchste jemals dort gemessene Wert.

In Naumburg erreichte die Saale einen Spitzenwert. Im Ortsteil Grochlitz wurden 6,44 Meter gemessen, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte. Beim großen Hochwasser 1994 waren es 6,39 Meter. Straßen, Kleingärten und Campingplätze wurden wegen Hochwassers gesperrt.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz hatte zunächst Probleme mit der Ausarbeitung einer Prognose. Zeitweise sollte auch die überlastete Internetplattform der Vorhersagezentrale vom Netz genommen werden, um sie aufzurüsten.

Auch weiter im Norden Sachsen-Anhalts liefen die Vorbereitungen für das Hochwasser auf Hochtouren. Der Landkreis Stendal bereitete eine Krisensitzung für Dienstag vor, wie eine Sprecherin mitteilte. Das Wasser kommt gewöhnlich erst mit einigen Tagen Abstand dorthin.

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