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Himmelsdarstellung: Neue Runde im Streit um die Scheibe

Uhr | Aktualisiert 05.02.2011 08:13 Uhr
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Harald Meller

Landesarchäologe Harald Meller präsentiert das Herzstück der neuen Ausstellung in Halle: die Himmelsscheibe von Nebra. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)

Zwölf Jahre nach seiner Entdeckung ist das Fundstück immer noch umkämpft. Die Himmelsscheibe gehöre nicht nur dem Land, sondern beim Land lägen auch die Urheberrechte an der Pretiose, befand das Magdeburger Landgericht.
Halle (Saale)/MZ/STK. 

Die Schriftstellerin Hilla Burri-Bayer durfte immer. Ihre Kollegen Wolfgang Hohlbein und Marc Hillefeld dagegen bekamen Ärger, genauso wie Bäcker, Goldschmiede und Internet-Anbieter, die auf die Idee gekommen waren, mit Bild oder Namen der "Himmelsscheibe von Nebra" zu werben. Das Land Sachsen-Anhalt, das sich die Markenrechte an der 3 600 Jahre alten Himmelsdarstellung gesichert hatte, schickte Abmahnungen. Der Heyne-Verlag landete vor Gericht, auch der Piper-Verlag musste ein Buchcover ändern.

Halbes Jahrzehnt Stille

Ein halbes Jahrzehnt war dann Stille. Die Himmelsscheibe, die fast vom Tag ihrer Entdeckung die Justiz beschäftigt hatte, gehöre nicht nur dem Land, sondern beim Land lägen auch die Urheberrechte an der Pretiose, befand das Magdeburger Landgericht. Zwar habe Sachsen-Anhalt die Scheibe nicht hergestellt, doch durch die "Erstausgabe des Werkes" ein dem Urheberrecht verwandtes Schutzrecht erworben. Urheberrechte wiegen schwerer als Markenrechte, weil der Urheber sie nicht verlieren kann.

Das Land Sachsen-Anhalt hat seine Interessen seitdem energisch verteidigt. Wer Himmelsscheiben-Produkte herstellen wollte, musste eine Lizenz erwerben. Wer das nicht tat, wurde abgemahnt wie ein Abnehmer der Schmuck-Himmelsscheiben des Juweliers Viktor Kosturik. Doch bei dem Augsburger biss das Land erstmals auf Granit. Statt klein beizugeben, ging der Goldschmiedemeister in die Offensive. Er beantragte die Löschung der Himmelsscheiben-Marken. Durch diese sei es allen Unternehmen verwehrt, Produkte, die nur annähernd das Aussehen der Scheibe besitzen, "herzustellen, mit ihnen Gewinne zu erwirtschaften und dadurch Steuern zu bezahlen, von denen archäologische Funde erforscht werden können", glaubt der Mann aus Bayern.

Im ersten Anlauf gab das Patentgericht in Jena ihm und seinem Anwalt Ralf Möbius jetzt recht. Dennoch bleibt das Land optimistisch. "Wir haben Beschwerde eingelegt", sagt Andreas Flügel, der Verwaltungsleiter des Landesmuseums. Er sei optimistisch, dass die Marken wieder eingetragen werden und die Urheberrechte unangreifbar sind. "Das Urteil aus Magdeburg ist rechtskräftig."

Neue Maßstäbe

Und vielleicht trotzdem nicht das letzte Wort, sagt Anwalt Möbius. Der Bundesgerichtshof habe zuletzt andere Maßstäbe für die Erlangung der Urheberrechte an verschollenen Werken angelegt. "Danach war die Scheibe schon vor 3 600 Jahren öffentlich." Sie nur wiederzuentdecken, begründe keinen Urheberrechtsschutz, jeder dürfte dann Produkte mit ihr verzieren und würde nicht belangt.

Wie Hilla Burri-Bayer, die über Monate als Himmelsscheiben-Hehlerin vor Gericht stand und seitdem Bücher über historische Themen schreibt, gern auch mal mit einer Himmelsscheibe auf dem Cover. "Ich hatte komischerweise keine Probleme deswegen", sagt die Kölnerin, "aber vielleicht hat man mir die Presse nur nicht gegönnt, denn eine Abmahnung wäre bestimmt gute Werbung geworden."

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