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Herzinfarkt-Tote: In Sachsen-Anhalt gibt es zu wenige Kardiologen

Uhr | Aktualisiert 17.01.2013 21:04 Uhr

Eine schnelle Notarzt-Versorgung nach einem Infarkt ist wichtig. (FOTO: DPA)

Ein halbes Jahr. So lange müssen Patienten der kardiologischen Gemeinschaftspraxis Salzatal (Saalekreis) in der Regel auf einen Termin warten. "Die Tendenz ist nicht abnehmend", sagt Kardiologe Thomas Hartkopf.
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Halle (Saale)/Salzatal/MZ/LÖ. 

Schon vor Jahren hat er einen Kongress unter den Titel "Das bedrohte Bundesland" gestellt. In Sachsen-Anhalt sterben im Vergleich zur Einwohnerzahl die meisten Menschen an akutem Herzinfarkt. Im Jerichower Land ist der Anteil der Herzinfarkt-Toten an allen Todesfällen bundesweit hinter der Uckermark am größten.

Die zu geringe Zahl ambulanter Kardiologen ist für Hartkopf eines der Probleme. "Seit dem Herzbericht 2010 hat sich da nicht viel geändert", sagt er. Damals kam auf rund 39 000 Sachsen-Anhalter ein Kardiologe - im Bundesdurchschnitt war es ein Herzspezialist pro 28 800 Einwohner. Mit Stichtag 31. Dezember 2011 lag die Zahl laut neuestem Herzbericht der Deutschen Herzstiftung für Sachsen-Anhalt bei 1:37 900. Den höchsten Versorgungsgrad hatten demnach Bremen, das Saarland und Hamburg - zumindest in Bremen und Hamburg starben 2011 im Vergleich zur Einwohnerzahl die wenigsten Menschen an akutem Herzinfarkt. "Valide Studien über den Einfluss gibt es aber nicht", sagt Burkhard John, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt. Mediziner sehen auch durchaus noch andere Gründe. Demografische etwa: Junge ziehen weg, Alte bleiben. Dazu kämen ein "stressigeres Leben" - auch sozialen Stress durch Arbeitslosigkeit zählt Hartkopf dazu. Und nicht zuletzt ungesunde Lebensweise.

Tatsächlich deuten erste Resultate einer Langzeitstudie der Universität Halle darauf hin, wie hoch der Einfluss von Prävention ist. Hallenser haben demnach häufiger Bluthochdruck, leiden an Diabetes, rauchen häufiger und sind dicker als Einwohner anderer Länder - alles Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die 2002 gestartete Studie, die Ost-West-Unterschiede erklären soll, startet gerade die zweite Folgeuntersuchung.

John ist derweil gespannt auf die Ergebnisse des Herzregisters, das nun aufgebaut wird. An ein ineffizientes Notarztsystem, das die Herzstiftung als mögliche Ursache sieht, glaubt er nicht. Trotz weiter Wege im Flächenland würden die Rettungszeiten weitgehend eingehalten.

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