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Heiter bis ironisch: Was Haseloffs Großmutter noch wusste

Uhr | Aktualisiert 25.11.2012 21:00 Uhr
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Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gilt als ausgesprochen bibliophil. Der Legende nach soll er seine Nachttischlampe mal nicht gefunden haben, weil sie unter jenen Bergen von Büchern vergraben war, die er immer gleichzeitig liest.
Halle (Saale)/MZ. 

Mit einem dieser Werke trumpfte Haseloff sogar in Brüssel auf: Dem Ministerpräsidenten der Region Flandern, Kris Peeters, überreichte Haseloff ein Wörterbuch mit dem Titel "Die Flämingische Sprache". Flämingisch? Ein Hörfehler? Nein, ein uralter, inzwischen fast vergessener Dialekt im Fläming. Der, wen wundert's, seinen Namen von jenem Volksstamm der Flamen bekam, die im 12. und 13. Jahrhundert aus Flandern in die Gegend um Wittenberg auswanderten. Haseloffs Großmutter sprach den Dialekt noch. Peeters war von dem wohl seltensten Wörterbuch Europas und Haseloffs flämischen Wurzeln so beeindruckt, dass er kurz darauf via Twitter auf die "starke geschichtliche Verbindung" zwischen beiden Regionen verwies.

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Weit weniger begeistert von Haseloff war hingegen der ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Michael Richter (CDU). Richter hatte dort das Weite gesucht - dem Vernehmen nach wegen gewisser Differenzen mit seiner Ex-Chefin, Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff. Wohl aus diesem Grund wartet die Ministeriumsspitze bis heute auf einen Ausstand. Asyl bekam Richter dafür im Finanzministerium von Jens Bullerjahn (SPD), der gerne auch mal locker bekleidet Termine wahrnimmt. Diese Eigenschaft hatte sich Richter offenbar abgeguckt: Auf dem CDU-Landesparteitag erschien der 58-Jährige ohne Krawatte. Was Haseloff zu der Frotzelei veranlasste: "Kaum bist Du bei Bullerjahn, passt Du Dich auch schon dessen Kleidungsstil an."

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Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn sich der Landtag daher eine Rede vom Ex-Chef der CDU-Landtagsfraktion, Jürgen Scharf, zu Herzen nimmt, kann es nur noch bergauf gehen. Denn bei der Debatte um die Frage, ob Sachsen-Anhalt ein Gesetz zum Verbot der Kohlendioxid-Verpressung im Erdreich bräuchte, erklärte Scharf: "Wir haben hier in 20 Jahren schon viel Mist beschlossen, wir sollten zusehen, nicht noch mehr zu beschließen." Scharf - von Hause aus Mathematiker - verblüffte das Parlament aber noch mit einer weiteren Erkenntnis - seinem persönlichen Wirkungsgrad. Auf die Frage von Dorothea Frederking (Grüne), wie hoch denn der sei, antwortete Scharf wie aus der Pistole geschossen: "Mein Wirkungsgrad liegt bei ungefähr 100 Watt - was ich damit mache, könne Sie öffentlich beurteilen." Nachtrag für alle Physiklehrer: Ja, Watt ist die Einheit für die Leistung, nicht für den Wirkungsgrad. Aber lustig war es trotzdem.