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Havelberg: Millionenschaden bei Brandanschlag auf Bundeswehr

Bundeswehr Havelberg

Oberstleutnant Daniel Decker, Sprecher des Landeskommandos der Bundeswehr Sachsen-Anhalt, steht vor ausgebrannten Lastwagen und Spezialfahrzeugen auf dem Gelände der Elb-Havel-Kaserne in Havelberg.

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dpa

Havelberg/Magdeburg/dpa -

Bei einem Brandanschlag auf Fahrzeuge der Bundeswehr im Norden Sachsen-Anhalts ist ein Schaden von mindestens zehn Millionen Euro entstanden. 16 Fahrzeuge, darunter Lastwagen, Spezialfahrzeuge und Radpanzer, seien teils schwer beschädigt worden, teilte die Polizei in Magdeburg mit. Unbekannte Täter waren in der Nacht zu Samstag auf das Gelände der Elb-Havel-Kaserne in Havelberg gelangt und hatten mehrere Brandsätze deponiert. Menschen wurden nicht verletzt.

Die Polizei schloss einen Zusammenhang mit Protesten gegen die Bundeswehr am Truppenübungsplatz Altmark nicht aus. „Ein Anschlag dieses Ausmaßes stellt eine bislang in Sachsen-Anhalt nie dagewesene Art der Gewalt gegen die Bundeswehr dar“, erklärte die Polizei. Weitere Störungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Das Verteidigungsministerium sei informiert, die Sicherheitsmaßnahmen seien in ganz Deutschland erhöht worden. Im Umkreis von militärischen Einrichtungen werde es verstärkte Kontrollen geben.

Einige Brandsätze zündeten nicht

Die Bundeswehrfahrzeuge in Havelberg waren auf einer überdachten Abstellfläche geparkt. Auch gepanzerte Fahrzeuge seien betroffen, wie ein Bundeswehrsprecher erläuterte. Ob auch der offene Unterstand für die Wagen in Mitleidenschaft gezogen wurde, sei noch unklar. Laut Polizei gingen die Wagen gegen 2.00 Uhr nachts in Flammen auf. Die Feuerwehr war drei Stunden lang mit den Löscharbeiten beschäftigt. Einige der Brandsätze haben laut Polizei vermutlich nicht gezündet und werden nun untersucht. Das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.

Zu den Protesten gegen die Bundeswehr, zu denen eine Gruppe „War starts here“ (Krieg beginnt hier) aufgerufen hatten, versammelten sich am Samstag bis zu 80 Menschen. Die Veranstalter hatten mit 350 Teilnehmern gerechnet. Die Polizei hat für die seit einer Woche laufenden Aktionen bis zu 600 Beamte im Einsatz. Ein Verbot von Protesten durch den Landkreis war gerichtlich aufgehoben worden. Anwohner in Letzlingen organisierten eine Gegendemonstration für die Bundeswehr. Dazu kamen rund 30 Menschen. Das Militär ist in der Region ein wichtiger Arbeitgeber.

Bundeswehr baut Übungsstadt

In einer Mitteilung erklärte die Kampagne „War starts here“, man habe auch nur aus der Presse von dem Anschlag erfahren. Ein von der Polizei suggerierter Zusammenhang der Demonstration mit dem Anschlag sei lediglich ein weiterer Kriminalisierungsversuch. Grundsätzlich begrüße man aber Aktivitäten, die ein deutliches Zeichen gegen Militarisierung setzten und keine Menschenleben gefährdeten. „Was in Havelberg passiert ist, bewerten wir als eine Aktion zur Abrüstung von Kriegsgerät“, erklärte ein Sprecher in der im Internet verbreiteten Mitteilung.

Der Truppenübungsplatz nördlich von Magdeburg ist mit 30 Kilometer Länge und 12 Kilometer Breite einer der größten in Europa. Seit dem Herbst baut die Bundeswehr dort eine komplette Übungsstadt mit mehr als 500 Gebäuden, einer Hochhaussiedlung und einer U-Bahn-Station. In „Schnöggersburg“ sollen ab 2017 bis zu 1500 Soldaten gleichzeitig den Einsatz in Krisengebieten üben können. Militärgegner hatten mehrmals gegen das rund 100 Millionen Euro teure Projekt protestiert, die Grünen legten im Januar bei der EU-Kommission in Brüssel Beschwerde ein, weil das Gebiet dem Vogelschutz diene.

In der Bundeswehrkaserne in Havelberg nördlich des Übungsplatzes sind das Panzerpionierbatallion 803 und des Führungs- und Unterstützungsbatallion 382 stationiert. Havelberg wurde 1685 Garnisonsstadt und ist ein traditioneller Armeestandort.