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Harz: Die Bergwacht hat im Winter Hochkonjunktur

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Ausgerenkte Schultern, gebrochene Beine - Skifahrer leben gefährlich. Auch in Sachsen-Anhalt hat die Bergwacht im Winter Hochkonjunktur. (FOTO: ARCHIV) 
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Im Winter zieht es zahlreiche Wintersportler auch in Sachsen-Anhalt in die Skigebiete. Das Risiko fährt bei jeder Abfahrt mit. Denn eine kurze Unachtsamkeit, ein Materialfehler oder reine Selbstüberschätzung führen schnell zu einem Unfall.
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Wernigerode/dpa. 

Auf Skiern die Pisten hinabrasen oder mit dem Snowboard lässige Stunts üben: Im Winter zieht es zahlreiche Wintersportler auch in Sachsen-Anhalt in die Skigebiete. Das Risiko fährt bei jeder Abfahrt mit. Denn eine kurze Unachtsamkeit, ein Materialfehler oder reine Selbstüberschätzung führen schnell zu einem Unfall.

Bis zu 50 Mal seien die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer im vergangenen Jahr im Harz ausgerückt, sagt der Fachreferent für Bergwacht beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Sachsen-Anhalt, Marcus Kruck. Mit Rettungsschlitten oder Motorfahrzeugen werden die Verunglückten in die nächste Sanitäterstelle gebracht. Besonders oft trifft es Anfänger.

In Sachsen-Anhalt hat der Wintersport sein festes Zuhause im Harz. „Skilangläufer und Winterwanderer sind hier in der Überzahl“, sagte der Bereitschaftsleiter in Wernigerode der Bergwacht Harz, Rüdiger Bößert. Wenn sich die Freizeitsportler verlaufen oder bei einem Sturz die Knochen brechen, sind die Retter der beim DRK angegliederten Bergwacht meist als erste vor Ort.

Etwa 25 bis 30 Einsätze bewältigten die Helfer pro Jahr allein im Gebiet der Bergwacht Wernigerode. Davon kämen etwa ein bis zwei Notrufe von Alpinfahrern vom Skihang Zwölfmorgental. Früher seien pro Saison noch bis zu 20 Skifahrer verunglückt. Viele hätten die Abfahrten einfach überschätzt.

Gerade Einsteiger treffe das besonders häufig. „Wir raten daher, alles Autodidaktische erst einmal zu unterlassen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Skilehrerverbands, Peter Hennekes. Was beim Autofahren schon nicht funktioniere, könne auch auf der Piste nur scheitern. Ob ein Skianfänger jung oder alt ist - zunächst solle er eine Skischule besuchen. Neben dem technischen Wissen lernen die Neulinge auch die Pistenregeln kennen.

Wie beim Autofahren die Straßenverkehrsordnung, so gelte am Hang das Regelwerk des Internationalen Ski Verbands, sagte Hennekes. Dazu gehöre etwa, bei der Abfahrt immer am Rand der Piste zu starten und dort auch zu stoppen, damit der Hintermann nicht auffährt. Mit der Rechts-vor-links-Regel im Straßenverkehr sei die Unten-vor-oben-Regel vergleichbar. „Der von hinten kommt, hat Rücksicht zu nehmen“, so Hennekes. Wer einen Unfall sehe, müsse sofort Hilfe leisten und danach die Bergrettung benachrichtigen.

Die Zahl der Skiunfälle hat den Experten zufolge auch aufgrund dieser Verhaltensregeln bundesweit abgenommen. In der vergangenen Wintersaison sind nach Angaben des Deutschen Skiverbands hochgerechnet etwa 43 000 Menschen auf den Pisten verunglückt - etwa 15 000 weniger als in der Vorsaison. Zugenommen habe jedoch die Zahl der Kopfverletzungen. Der Skilehrerverband empfiehlt deshalb einen Helm.

Eine Pflicht dazu wie für Motorad- und Mopedfahrer gibt es jedoch nicht. „Die meisten tragen trotzdem einen. Bei Kindern gilt ein Helm momentan als cool“, sagt Hennekes. Daher trügen 95 Prozent der Jungen und Mädchen einen Kopfschutz. Vor den häufigen Knie- und Schulterverletzungen schützen sichere Bindungen und gute Skikleidung, etwa mit Polstern. „Und es bringt nichts, nach dem Motto zu fahren: Je schneller, desto besser“, so Bergwacht-Leiter Bößert.

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