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Mitteldeutsche Zeitung | Halberstadt : Neues Ankunftszentrum für Flüchtlinge eröffnet
07. March 2016
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Halberstadt : Neues Ankunftszentrum für Flüchtlinge eröffnet

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Blick auf das neue Ankunftszentrum für Asylbewerber auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber Sachsen-Anhalts in Halberstadt.

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dpa

Halberstadt -

Bis vor wenigen Wochen waren Melanie Barbe und Andreas Marquardt noch Bankkaufleute im Salzlandkreis. Doch den Platz hinterm Tresen einer Filiale habe sie seit Ende Februar mit einem schlichten Schreibtisch in einem Baustellencontainer getauscht: Die beiden jungen Leute sind zwei von später 97 neuen Mitarbeitern des neuen Ankunftszentrums für Asylbewerber in Halberstadt. Gestern wurde es eröffnet.

Chaos soll eine Ende haben

Frank-Jürgen Weise, in Personalunion Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und der Bundesarbeitsagentur war dazu persönlich in den Harz gekommen. Auch wenn das Ankunftszentrum bereits das sechste in Deutschland ist - bis Ende April sollen es 21 sein - Weise ist auf Werbe- und Beschwichtigungstour. Das Chaos bei der Aufnahme von Asylsuchenden soll ein Ende haben, deshalb hat Weise in den schweren Lehmboden südlich von Halberstadt Dutzende Container stellen lassen. Darin soll nun alles schneller, effizienter und sicherer ablaufen. Weise setzt große Hoffnungen in das Zentrum, 300 Anträge pro Tag sollen bearbeitet, mindestens die Hälfte davon am selben Tag auch entschieden werden. „Hätten wir ein Jahr vorher damit angefangen, hätten wir das ganze Drama nicht erlebt“, sagt Weise beim Rundgang.

"Provisorien der letzten Monate“

Künftig soll kein Flüchtling die Zentrale Anlaufstelle (Zast) in Halberstadt verlassen, bevor er seinen Antrag auf Asyl zumindest gestellt hat. In den Monaten zuvor war es hingegen so, dass das Land die Flüchtlinge unabhängig vom Antragsstatuts auf die Kommunen verteilen musste, weil die Kapazitäten in Halberstadt nicht ausreichten. Die Betroffenen mussten dann zur Antragstellung immer nach Halberstadt zurückfahren.

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Reiner Haseloff (CDU) und der Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise.

Foto:

dpa

Diese „Provisorien der letzten Monate“ sollen nun dank des neuen Zentrums und mehr Personal eine Ende haben, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), „im Laufe dieses Jahres wird alles in irgendeiner Weise entschieden“. Bis „weit in den Sommer hinein“ will Haseloff auch alle Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer „zurückführen“, die keine Anspruch auf Asyl haben. Dies sind derzeit 1 500 in Sachsen-Anhalt, von denen aber 1 200 aufgrund der Lage in ihren Heimatländern derzeit nicht abgeschoben werden können.

Standardisiertes Verfahren

Dass in Halberstadt jetzt schneller bearbeitet und entschieden werden soll, liegt auch an einem standardisierten Verfahren, dass alle Flüchtlinge durchlaufen: Nach einem Erstgespräch mit mit Dolmetscher werden die Flüchtlinge registriert. Laut Weise erfolgt das in einigen Bundesländern bis heute nicht zentralisiert. Dann werden Fotos gemacht und Fingerabdrücke genommen. In einem dritten Schritt erfolgt die Prüfung der Papiere, vor allem des Passes. „Der Eindruck, dass die Hälfte der Flüchtlinge gefälschte Pässe hat, stimmt nicht“, sagt der Bamf-Chef. Auf fünf Prozent wird die Zahl jener Dokumente geschätzt, die aufgrund Fälschungsverdacht noch einmal genauer geprüft werden. Anschließend können die Flüchtlinge ihren Asylantrag stellen, der, so sieht es der „Integrierte Idealprozess“ vor, binnen 48 Stunden entschieden sein soll. (mz)