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Gentechnik: Großversuch ohne Erfolg

Auch große Gewächshäuser gehören zum Biopark in Gatersleben im Salzlandkreis.

Auch große Gewächshäuser gehören zum Biopark in Gatersleben im Salzlandkreis.

Foto:

Gehrmann

halle/MZ -

Die letzte Bastion ist gefallen: In Sachsen-Anhalt wird es in diesem Frühjahr voraussichtlich keine Freiland-Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen mehr geben. Dies sagte Uwe Schrader, Vorsitzender von Inno-Planta, der MZ. Die Vereinigung von Saatzüchtern, Landwirten und Forschungseinrichtungen unterstützt seit Jahren die grüne Gentechnik. Im vergangenen Jahr hatten die Konzerne BASF und Monsanto noch insgesamt drei Versuchsfelder im Land - es waren die einzigen in Deutschland. Im Jahr 2013 wird deutscher Acker wohl gentechnikfrei sein.

Gescheitert sind damit vorerst auch die Bestrebungen des Landes, Sachsen-Anhalt als Forschungs- und Wirtschaftszentrum für die grüne Gentechnik zu etablieren. Die erhoffte Erfolgsstory wurde nicht geschrieben. Die Geschichte verdient eher den Titel: „Pleiten, Pech und Pannen.“

Tradition in der Pflanzenzucht

Sachsen-Anhalt ist Landwirtschaftsland. Die Magdeburger Börde steht für die besten Ackerböden Deutschlands. Große Saatgutzüchter hatten hier einst ihren Sitz. Mit dem Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Quedlinburg (Harz), dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben (Salzlandkreis), dem Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) in Halle und der Uni Halle verfügt man noch heute über international renommierte Forschungseinrichtungen.

Trotz Skepsis in großen Teilen der Bauernschaft erkor die CDU/FDP-Landesregierung ab 2002 die grüne Gentechnik als eine der Zukunftstechnologien für Sachsen-Anhalt. „Das Abarbeiten unseres Nachholbedarfs wird nicht gelingen, wenn wir nur nachmachen, was andere vormachen“, sagte 2003 der damalige Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Wirtschaftsminister Horst Rehberger (2002 bis 2006) stampfte eine Biotechnologie-Offensive aus dem Boden, die 100 Millionen Euro schwer sein sollte. So wurde in Gatersleben mit dem Biopark ein neues Technologiezentrum gebaut.

Neue Unternehmen siedelten sich aber kaum an. Zwei Jahre nach der Eröffnung 2006 hatten sich erst zwei Firmen mit insgesamt 17 Mitarbeitern eingemietet.

Der Bauernverband unterstützte zwar Freiland-Versuche von Gen-Pflanzen für Forschungszwecke. Die Beteiligung der Landwirte blieb aber spärlich. Kurt-Henning Klamroth, Chef des Bauernbundes (der vor allem kleine Bauernhöfe vertritt) ächzte: „Es gibt zwei Dinge auf der Welt, für die man keine Versicherung bekommt: Atomkraft und Gen-Felder.“

BASF Tochter zieht sich zurück

Im Jahr 2004 erschwerte die damalige rot-grüne Bundesregierung den Anbau für Gen-Pflanzen. Vor allem die Haftungsregelungen für die Bauern wurden verschärft. Das Land Sachsen-Anhalt klagte dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht und scheiterte 2010. Die obersten deutsche Richter argumentierten, dass die langfristigen Folgen der Gentechnik noch nicht endgültig geklärt seien. Dies war Wasser auf die Mühlen der Gentechnik-Gegner.

Immer wieder wurden auch Versuchsfelder etwa des IPK, die rein der Forschung dienten, von Umweltaktivisten zerstört. Inno-Planta-Chef Schrader spricht vom Genickbruch: „Wenn die Arbeit von Jahren in einer Nacht zerstört wird, dann ziehen sich die Unternehmen irgendwann zurück.“

Anfang vergangenen Jahres gab die Saatgutsparte von BASF bekannt, dass die Pflanzengentechnik-Sparte von Deutschland in die USA verlagert wird. Die Tochter Sun-Gen in Gatersleben, die jahrelang an der Stärke-Kartoffel Amflora gearbeitet hatte, wird geschlossen. Auch der Biopark in Gatersleben stand vor der Insolvenz. Rettung brachte nun aber ein neuer Investor. Die Saatgutsparte des Chemiekonzerns Bayer hat sich im vergangenen Jahr eingemietet und baut in Gatersleben ihr weltweites Weizen-Zentrum auf. Gezüchtet wird nicht mit genveränderten Pflanzen, sondern konventionell.


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