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Gartenanlagen in Sachsen-Anhalt: Kleingärtner sollen Wege für Spaziergänger öffnen

Familie Horn in der Kleingartenanlage Galgenberg in Halle.

Familie Horn in der Kleingartenanlage Galgenberg in Halle.

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Bauer

Halle (Saale) -

Sommer, Sonne - Zeit für einen Spaziergang. Der soll, geht es nach der Stadt Halle, künftig vermehrt auch durch Kleingartenanlagen führen. Im Kleingartenkonzept der Kommune ist als Ziel eine „Verbesserung der öffentlichen Zugänglichkeit“ festgeschrieben. Geeignete Anlagen etwa sollen zu Kleingartenparks mit mehr öffentlichen Grünflächen weiterentwickelt werden, in denen Eingangsbereiche offen gestaltet und Hauptwege jederzeit zugänglich gemacht sind.

Gemeinnützig, aber zu

In Halle und auch landesweit ist eine Öffnung der Anlagen für jedermann derzeit keineswegs überall gegeben. Das Thema werde seit Jahren diskutiert, sagt Peter Riebeseel, Vorsitzender des Landesverbandes der Gartenfreunde. „Es gibt aber auch Verbände und Vereine, die nicht tun, was wir anregen.“ Derzeit seien etwa zwei Drittel der Anlagen tagsüber begehbar. Eigentlich fordere schon die Gemeinnützigkeit der Kleingartenvereine, dass die Anlagen für Besucher geöffnet sein sollten. „Sollten, aber nicht müssen“, sagt Riebeseel. „Wir sagen aber immer wieder: Holt euch Gäste rein, das kann nur Vorteile haben.“ Wenn sich Kleingartenanlagen nicht präsentieren, müsse man sich nicht wundern, wenn weniger Interessenten für leer stehende Parzellen kommen. Zwar könne er die Angst vor Diebstahl und Vandalismus - gerade in Randgebieten, in denen ohnehin wenige Spaziergänger zu erwarten sind - teilweise verstehen. „Öffentlichkeitsarbeit ist für uns aber ganz wichtig geworden, dazu gehört auch die Öffnung der Anlagen“, so Riebeseel. Derzeit stünden von 5 500 Hektar Kleingartenfläche in Sachsen-Anhalt 850 leer.

In Aschersleben verzichten die Kleingärtner bewusst auf eine Öffnung. Im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Regionalverbandes 2005 sei beschlossen worden, dass Kleingartenanlagen nicht öffentlich zugänglich sind, sagte dessen Vorsitzende kürzlich. Grund: „Die Kleingärtner möchten nicht am Tag ausspioniert und in der Nacht ausgeraubt werden.“ Besucher seien dennoch willkommen. Wer Interesse an einem Garten habe, werde nicht weggeschickt.

In Dessau-Roßlau ist die Zugänglichkeit nach Angaben von Stadtsprecher Carsten Sauer ein bedeutendes Kriterium für einen Wanderpokal des Oberbürgermeisters, der alle zwei Jahre vom Stadtverband der Gartenfreunde vergeben wird. Dennoch stünden längst nicht in allen Anlagen sperrangelweit die Tore offen.

Auch Kommunalpolitik gefordert

Auch ohne dass es zwingend rechtlich vorgeschrieben ist, sei das aber zumindest im Sommer anzustreben, sagt auch Stefan Grundei, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde. Der Verband orientiere in Richtung der Kleingartenparks. „Es gibt Fälle, wo das sehr gut funktioniert und die Anlagen von der Bevölkerung auch als parkähnlich angenommen werden“, sagt Grundei - zum Beispiel in Leipzig. Auf Kongressen werde auch an Vertreter der Kommunalpolitik appelliert, mit Gärtnern das Naherholungs-Potenzial der Anlagen abzurufen. (mz)