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Fremdenfeindliches Bündnis protestiert seit einem Jahr: Innenstadt immer wieder lahmgelegt: Leipzig stöhnt über Legida

Legida-Demonstranten

Teilnehmer der islamkritischen Legida-Bewegung ziehen im September 2015 mit Transparenten und Fahnen durch Leipzig.

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dpa/Archiv

Leipzig/Magdeburg -

Leipzig stöhnt über Legida: Ein Jahr nach seinem Start bescheren der Leipziger Ableger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung und die Proteste dagegen den Einzelhändlern in der Innenstadt erhebliche Verluste. Nach Angaben des Vereins City-Marketing müssen die Gewerbetreibenden an jedem Demo-Montag im Durchschnitt Umsatzeinbußen von einem Drittel hinnehmen. „An anderen Tagen lässt sich das nicht ausgleichen“, sagte Vereinsgeschäftsführerin Heike Melzer der MZ. Viele Kunden kämen montags überhaupt nicht mehr in die City.

Multimediale Chronologie: Ein Jahr Legida

Montag für Montag die Innenstadt lahmgelegt

Unterbrochen von nur wenigen Pausen demonstriert Legida jeden Montag in der Leipziger Innenstadt, stets begleitet von Gegendemonstrationen. Erstmals marschierte das Bündnis am 12. Januar vorigen Jahres, damals mit knapp 5.000 Teilnehmern. Drei Wochen später waren es bereits nur noch 1 500. Seither schrumpfte die Zahl weiter. In der vorigen Woche, zur ersten Demo des neuen Jahres, kamen nach Angaben der studentischen Gruppe „Durchgezählt“ nur noch rund 300 Anhänger.

Damit ist Legida praktisch in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Dennoch legen die Aufmärsche und die Gegendemos - mit jeweils einigen hundert Teilnehmern - Montag für Montag die Innenstadt lahm. So wird der City-Ring teilweise für den Autoverkehr gesperrt, je nach dem Verlauf der Demo-Routen. Straßenbahnen werden umgeleitet, verkehren stark eingeschränkt oder gar nicht. „Wir stellen an den Demonstrationstagen einen deutlichen Rückgang der Fahrgastzahlen und der Tarifeinnahmen fest“, sagte Marc Backhaus von den Leipziger Verkehrsbetrieben. Konkret beziffern lasse sich der Schaden aber nicht. „Montags geht die Kundenfrequenz ab dem Nachmittag deutlich zurück“, sagte Heike Melzer vom City-Marketing. In unterschiedlicher Intensität betreffe das die gesamte Innenstadt. Es habe sich herumgesprochen, dass montags demonstriert werde; viele mieden an diesem Tag deshalb die City, weil sie nicht wüssten, wie sie aufgrund der Einschränkungen hin- und wieder zurückkommen sollten. „Das macht sich in der Kasse bemerkbar“, sagte Melzer, weil sich die Umsatzeinbußen Montag für Montag addierten. Scharfe Kritik übte sie an Legida: Das Bündnis verschaffe sich mit den Aufzügen in der Innenstadt maximale Aufmerksamkeit. „Offenbar fehlt aber das Verständnis, dass die Situation für Unbeteiligte, wie Händler und ihre Kunden, unerwünschte Auswirkungen hat.“ Legida reagierte auf eine Anfrage der MZ nicht.

Mit dem Tod bedroht

Auch dem Magdeburger Pegida-Ableger Magida geht derweil die Puste aus. Nach 600 Anhängern zum Auftakt am 19. Januar vorigen Jahres kommen zu den wöchentlichen Demos nach eigenen Angaben mittlerweile jeweils nur noch rund 100 Demonstranten. Die Magdeburger Innenstadt-Händler sehen sich, im Gegensatz zu ihren Kollegen in Leipzig, davon nicht beeinträchtigt. „Für uns ist das kein Thema“, sagte Händler-Sprecher Arno Frommhagen der MZ.

So klein Magida ist, so radikal ist die Gruppierung. Vor Weihnachten sollen aus den Reihen der Demonstranten ein Grünen- und ein Linken-Politiker mit dem Tod bedroht worden sein; die Polizei ermittelt. Das Bündnis sei mittlerweile „eine Neonazi-Demo unter anderem Namen“, sagte der Rechtsextremismus-Experte David Begrich vom Verein „Miteinander“. Magida bestreitet das, genau wie die Mordaufrufe. (mz)