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Flughafen Leipzig/Halle: XXL-Horst für den russischen Riesenvogel

Uhr | Aktualisiert 16.01.2013 21:38 Uhr
Das größte in Serie gebaute Transportflugzeug der Welt, eine Antonow 124, steht in einem neuen Hangar am Flughafen Leipzig/Halle (Sachsen). (FOTO: DPA) 
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Am Flughafen Leipzig/Halle eröffnet die russische Airline Volga-Dnepr eine Wartungsbasis für die Antonow 124. Rund 40 Millionen Euro wurden investiert.
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Schkeuditz/MZ. 

Selten ist in den vergangenen Jahren eine Wartungshalle mit mehr Polit-Prominenz eingeweiht worden. Der Flughafen Leipzig/Halle hat am Mittwoch im Beisein der Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff, und Sachsens, Stanislaw Tillich (beide CDU), einen neuen Hangar offiziell in Betrieb genommen. Die Aufmerksamkeit gehörte dem Mieter: der russischen Volga-Dnepr-Gruppe. Die Frachtfluggesellschaft wartet künftig hier einen Teil ihrer Flugzeugflotte, darunter das größte in Serie gebaute Transportflugzeug der Welt, die Antonow 124. Dies ist politisch für Deutschland und wirtschaftlich für den Airport bedeutend.

Das Unternehmen ist Spezialist für den Transport schwerer und sperriger Güter. Seit 2006 sind zwei Antonow 124 am Flughafen fest stationiert, die im Rahmen des sogenannten Salis-Projektes für EU und Nato Schwerlast-Transporte in Krisengebiete übernehmen - sowohl Kriegsgerät als auch humanitäre Güter. Der Vertrag wurde erst kürzlich verlängert. „Beim Abzug der Bundeswehr in Afghanistan werden die Flugzeuge benötigt“, sagte gestern der Vorsitzende der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt im Deutschen Bundestag, Klaus-Peter Willsch (CDU). Die Bundeswehr besitze dafür kein geeignetes Gerät. Etwa 100 Flüge werden nach Angaben von Volga-Dnepr-Technics-Chef Ildar Iljasow für Salis im Jahr abgewickelt. Zunehmend wichtiger würden kommerzielle Flüge. Davon würden 150 bis 200 mit der AN-124 von Leipzig/Halle durchgeführt. Geflogen werden beispielsweise U-Bahnen, Bohrgeräte für Erdölfirmen und Satelliten. Das Geschäft soll laut Volga-Dnepr-Präsident Alexey Isaikin ausgebaut werden. Die Airline wolle ihre Aktivitäten stärker auf Leipzig/Halle konzentrieren. Die neue Wartungsbasis sei „die erste Etappe der geplanten Entwicklung“.

Dafür ging der Flughafen ordentlich in Vorleistung: 40 Millionen Euro wurden in den 90 Meter langen, 94 Meter breiten und 30 Meter hohen Hangar samt Vorfeld investiert. Darin findet eine Antonow 124 ebenso Platz wie das größte Passagierflugzeug der Welt, der Airbus A380. Es ist ein XXL-Horst. Der Mietvertrag mit dem neu gegründeten Unternehmen Volga-Dnepr-Technics läuft 30 Jahre. 43 Mitarbeiter hat die Firma bisher, bis Jahresende sollen es mehr als 70 sein.

Volga-Dnepr-Technics will nicht nur die AN 124 instand halten, sondern künftig auch mehrere Boeing 747 der Volga-Dnepr-Tochter Air-Bridge-Cargo. „Wir werden zur Wartung künftig auch auf Leipzig/Halle setzen“, sagte Air-Bridge-Cargo-Chefin Tatyana Arslanova der MZ. Das international agierende Luftfracht-Unternehmen entwickelt sich zum Konkurrenten der Lufthansa. Die Wartungsbasis soll jedoch nicht nur für Volga-Dnepr tätig sein, sondern ihre Dienste auch anderen Fluggesellschaften anbieten. Branchenbeobachter räumen dem durchaus Chancen ein. „Es gibt Bedarf.“

Flughafen-Chef Dierk Näther hofft, dass es nicht bei Instandhaltungen bleibt. Leipzig/Halle, der zweitgrößte Frachtflughafen in Deutschland, „will neues Frachtgeschäft anziehen“. Bisher ist der Airport vor allem vom Wachstum des DHL-Drehkreuzes abhängig. Rückendeckung bekommt die Flughafen-Führung von Ministerpräsident Haseloff: „Der Flughafen ist das Zentrum des Logistikstandorts. Wir werden ihn bei seiner weiteren Entwicklung unterstützen.“

Die zahlreichen Fluglärm-Gegner werden das nur ungern hören. Sie klagen darüber, dass die Antonow 124 ein besonders lautes Flugzeug ist und werfen dem Airport vor, das Wachstum durch niedrige Landegebühren zu erkaufen. Ein Mitglied der Bürgerinitiative „IG Nachtflugverbot“ hat eine Beispielrechnung für die Antonow 124 vorgelegt. Danach beträgt die Landegebühr am Airport 3 000 Euro am Tag wie in der Nacht. Am Flughafen Frankfurt (Main) müsse die selbe Maschine tagsüber 20 000 Euro und nachts 52 000 Euro zahlen.

Der Flughafen bestätigt etwa die Größenordnungen. Allerdings: Der Flughafen Frankfurt, der ohnehin aus allen Nähten platzt, hat kaum Interesse an den Antonows und schraubt die Gebühren daher hoch.

Volga-Dnepr stellt sich der Kritik. Flugrouten würden so gewählt, dass sie über unbewohntes Gebiet gehen. Nachtflüge seien anders als bei DHL die Ausnahme.

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