Vorlesen

Fahndung nach Überfällen: Thomas Feldhofer ist nicht zu fassen

Uhr | Aktualisiert 31.01.2012 22:40 Uhr
Drucken per Mail
Von
Seit Wochen fahndet die Polizei mit großem Aufwand nach dem Serienräuber Thomas Feldhofer. Der ist nach einem Überfall in Sachsen-Anhalt wie vom Erdboden verschluckt.
Arendsee/MZ. 

Es war der 20. Dezember 2011, als er das letzte Mal zuschlug. Vorläufig, muss man vermutlich sagen. An jenem Nachmittag bedrohte er Mitarbeiter einer Sparkasse in Arendsee (Altmark) mit einer Pistole, flüchtete mit einem bei früherer Gelegenheit geraubten Peugeot und mehreren tausend Euro Beute. Zum Jahreswechsel wurde eben jener Peugeot in Berlin gefunden. Der Serientäter aber war über alle Berge, die Berliner Polizei hatte trotz öffentlicher Fahndung sechs Tage gebraucht, um das Auto seinen Fällen zuzuordnen. Und seither: nichts. "Er ist wie vom Erdboden verschluckt", so Polizeisprecher André Hartwich.

Die Rede ist von einem der derzeit meistgesuchten Verbrecher Deutschlands: Thomas Feldhofer (46). Das Fahndungsfoto des Krefelders hat die Polizei ausgewechselt, auch weil er auf dem ersten zu harmlos wirkte. "Er hat ein Allerweltsgesicht. Und ihm steht nicht Ganove auf der Stirn geschrieben, das macht es für uns so schwer", sagt Hartwich von der Düsseldorfer Polizei, die die europaweite Fahndung nach Feldhofer koordiniert. Auf dem neuen Plakat lächelt der nun nicht mehr wie der nette Nachbar in die Kamera. Es zeigt Bilder von ihm in einem Hotel - und beim Überfall in Arendsee mit der Pistole in der Hand. Dennoch: Bisher jagt die Polizei trotz ausgesetzter Belohnung erfolglos den Mann, dem sie schon mehr als 20 Straftaten ab Sommer 2011 vorwirft: Raubüberfälle auf Banken, Geschäfte, Tankstellen und Privatleute in mehreren Bundesländern, dazwischen Tankbetrug. Es werden, heißt es, wohl noch einige Fälle mehr gewesen sein. Allein in Sachsen-Anhalt ist in Polizeikreisen nicht mehr von drei, sondern von vier möglichen Taten die Rede.

Vorzeitig aus Haft entlassen

Um die 100 Hinweise sind eingegangen, seit Medien bundesweit berichten, die Fahndung in "Aktenzeichen XY ungelöst" gezeigt wurde. "Wir können fast lückenlos sagen, wo er seit vergangenem Herbst war", so Hartwich. Nur nicht, wo er jetzt ist. Und wovon er lebt. Was die Polizei über Feldhofer weiß, kennt sie vor allem aus einer früheren Raubserie. Dass er spielsüchtig ist, Alkoholprobleme hat, wurde bekannt. 750 000 D-Mark hatte Feldhofer zwischen 1993 und 2001 bei elf Überfällen erbeutet. Im Dezember 2001 wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt.

Sieben davon saß er ab, ehe er wegen guter Führung nach zwei Dritteln Haft vorzeitig auf Bewährung entlassen wurde. Ein psychologisches Gutachten hatte dem gelernten Elektriker ein Rückfallrisiko im "unterdurchschnittlichen Bereich" prognostiziert, sagt der Sprecher des Landgerichts Osnabrück, Holger Janssen. Auch Staatsanwaltschaft und Justizvollzugsanstalt hätten damals die vorzeitige Entlassung beantragt. Vier Jahre lang sollte sich Feldhofer bewähren. Er tat es nicht, wie sich spätestens 2011 herausstellte: Am 17. August überfiel Feldhofer laut Polizei eine Sparkasse im niederrheinischen Voerde. Was folgte, waren nicht nur Überfälle in Sachsen-Anhalt - auf einen Schreibwarenladen in Wolmirsleben (Salzlandkreis, 2. November), einen Elektroladen in Gardelegen (Altmark, 16. Dezember) und die Bank in Arendsee. Zu seiner Serie gehört auch die spektakuläre Entführung eines mit sieben Passagieren und dem Fahrer besetzten Linienbusses im hessischen Kronberg am 14. Dezember und kurz zuvor seine Flucht vor einer Kontrolle in Krefeld, bei der er fünf Autos rammte, direkt auf einen Polizisten zuraste.

Inzwischen suchen Zielfahnder aus drei Ländern - darunter Sachsen-Anhalt - nach dem "Räuber-Rambo", wie ihn die Boulevardpresse nennt. Zielfahnder konzentrieren sich auf Gewohnheiten der Täter, ihr Umfeld. Das Problem: Feldhofer ist per Bahn und mit geraubten Autos extrem mobil und hat quasi keine sozialen Kontakte. Einmal fiel der Polizei ein Handy von ihm in die Hand. Private Rufnummern gab es darin nicht. "Ein merkwürdiger Mensch", heißt es.

Abgetaucht bei einer Frau?

Dennoch will die Polizei nicht ausschließen, dass er sich irgendwo gerade aushalten lässt. Von Feldhofer wird auch gesagt, dass er einen Schlag bei Frauen hat. "Er kann ihnen gegenüber sehr charmant, sehr höflich sein", so Hartwich. Es sei ungewöhnlich, dass ein Täter wie er so gar keine Spuren mehr hinterlasse - die Variante mit der Frau wäre eine Erklärung, warum er kein neues Geld "besorgt". Mit Spielcasinos steht die Polizei in Verbindung, falls Feldhofer wieder zocken geht - bisher ergebnislos. Möglich, dass er im Ausland ist, angebliche Spuren nach Frankreich oder Spanien werden offiziell nicht bestätigt. Vielleicht aber sitzt er auch irgendwo in einer Pension, wo man ihn nicht erkennt. Feldhofer bevorzugt Hotels und Pensionen in der Preisklasse von 30 bis 50 Euro die Nacht. Die Polizei warnt vor ihm. Der Mann sei gefährlich, "wir wissen nicht, wie er reagiert, wenn er in die Enge getrieben wird".

2001 war Feldhofer kurz nach einem Bankraub in einem Wald bei Osnabrück verhaftet worden. Er hatte sich dort versteckt, wo er schon vier Jahre zuvor nach einem Überfall auf die gleiche Bank die leeren Geldtaschen zurückgelassen hatte. Aber ob er einen solchen Fehler noch einmal macht?

Auch interessant