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Mitteldeutsche Zeitung | Facharzttermine in Sachsen-Anhalt: Kein Anspruch auf Wunsch-Termin oder Wunscharzt
18. January 2016
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Facharzttermine in Sachsen-Anhalt: Kein Anspruch auf Wunsch-Termin oder Wunscharzt

Ein Schild weist in einer Arztpraxis darauf hin, dass die Reihenfolge der Patienten vom Arzt bestimmt wird.

Ein Schild weist in einer Arztpraxis darauf hin, dass die Reihenfolge der Patienten vom Arzt bestimmt wird.

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dpa

Magdeburg/Halle (Saale) -

Lange Wartezeiten auf eine Untersuchung beim Facharzt? Die Terminservicestelle bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) soll da künftig Abhilfe schaffen. Ab kommenden Montag können sich dort Patienten melden, die zwar eine Überweisung zum Facharzt haben, selbst aber rasch keinen Termin bei einem Spezialisten vereinbaren konnten.

Die Überweisung wird von dem überweisenden Arzt - in der Regel ist das der Hausarzt - mit einem zwölfstelligen Code gekennzeichnet. Daraus ist für die Servicestelle ersichtlich, dass ein Facharzttermin aus medizinischen Gründen innerhalb der nächsten vier Wochen geboten ist. Der Versicherte muss zudem nachweisen, dass er sich zuvor erfolglos selbst darum bemüht hat.

Die KV hat in den vergangenen Wochen bei Ärzten aller Fachrichtungen dafür geworben, freie Termine zu melden. Der Rücklauf, so sagt KV-Chef Burkhard John, sei sehr differenziert zu betrachten. Gering sei er beispielsweise bei den Augenärzten gewesen. In diesem Zusammenhang unterstreicht er, dass Termine nicht bei einem Wunscharzt und auch nicht zu einer Wunschzeit vermittelt werden. Sollte es gar nicht gelingen, innerhalb von vier Wochen eine Behandlung bei einem niedergelassenen Mediziner in die Wege zu leiten, so werde eine ambulante Behandlung im Krankenhaus angestrebt.

20 Patienten mehr pro Arzt als im Bundesdurchschnitt

Die Kassenärztlichen Vereinigungen wurden vom Gesetzgeber verpflichtet, diese Terminservicestellen einzurichten. Aus Sicht von John sind sie verzichtbar. Bereits heute behandelten Haus- und Fachärzte in Sachsen-Anhalt über 20 Prozent mehr Patienten pro Arzt als ihre Kollegen im Bundesdurchschnitt, was das langen Warten auf Termine erkläre. Die Patienten seien zudem älter und kränker. „Trotzdem stehen für die Behandlung eines Patienten bei einem Arzt in einem Quartal sechs Prozent weniger Finanzmittel zur Verfügung“, sagt er. „Hätte die Politik sich entschieden, mehr Finanzmittel bereitzustellen, hätten wir auch mehr Kapazitäten bei den Fachärzten“, fügt John hinzu.

Als ein besseres Steuerungsinstrument für die Weiterbehandlung von Patienten beim Facharzt sieht John die so genannte Überweisungssteuerung. Dafür haben bisher die AOK Sachsen-Anhalt, die IKK gesund plus und seit Januar auch die Barmer GEK einen Vertrag mit der KV und dem Hausärzteverband abgeschlossen. Versicherte, die im Hausarztprogramm eingeschrieben sind, erhalten bei hoher Dringlichkeit am nächsten Tag, in der Regel aber nach sieben Tagen einen Termin beim Facharzt. Den vermittelt jedoch der Hausarzt, der hier seine oft beschworene Lotsenrolle tatsächlich ausfüllt. Beispielsweise bei der AOK Sachsen-Anhalt erhielten zwischen Januar und und September 2015 auf diese Weise 6 500 Versicherte einen Facharzttermin. Haus- und Facharzt, die dafür sogar eine Vergütung zwischen zehn und 15 Euro erhalten, stünden im Kontakt, könnten Befunde austauschen und gegebenenfalls gemeinsam über die Behandlung beraten. John wirbt dafür, dass sich auch andere Krankenkassen diesem Programm anschließen. (mz)