Online-Aktionsankündigung-Einlaufkinder-RBL
Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Exotische Haustiere bergen Gefahren: Salmonellen-Erkrankungen durch Reptilien-Kontakt

Eine Bartagame auf dem Kopf, die Schlange um den Hals - dieser Umgang mit den Reptilien kann gefährlich werden.

Eine Bartagame auf dem Kopf, die Schlange um den Hals - dieser Umgang mit den Reptilien kann gefährlich werden.

Foto:

dpa

Wernigerode/Halle (Saale) -

Im Mai 2012 erkrankt in Hessen ein zwei Monate altes Baby an einer schweren bakteriellen Hirnhautentzündung. Ursache ist eine Infektion mit Salmonellen. Sowohl im Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) als auch im Stuhl des Säuglings finden die Mediziner ungewöhnliche Salmonellenarten. Nämlich solche, die gewöhnlich von Reptilien ausgeschieden werden. Es stellt sich heraus: Das Haustier der Familie ist eine Bartagame, eine Echse, die wie ein kleiner, putziger Mini-Drachen aussieht. In ihrem Kot werden dann die entsprechenden Salmonellen nachgewiesen. Die Infektionskette ist geschlossen und die Ursache der Erkrankung geklärt.

Eine hohe Dunkelziffer

Dr. Wolfgang Rabsch vom Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger am Robert Koch-Institut (RKI), das seinen Sitz in Wernigerode im Harz hat, kann über viele solche Fälle berichten. „Die Zahl der Salmonellose-Erkrankungen bei Kindern, die jünger als zwei Jahre sind und bei denen ein Reptilienkontakt nachgewiesen wird, nimmt seit etwa zehn Jahren ständig zu“, sagt er. Der Mikrobiologe sieht das an den Proben, die Klinik-Labore aus ganz Deutschland zur Untersuchung an das RKI senden. Wurden von 1997 bis 1999 in 50 Proben Reptilien-übliche Salmonellen gefunden, waren es von 2012 bis 2014 bereits 196. „Und es gibt eine hohe Dunkelziffer“, fügt er hinzu.

Ungewöhnliche Haustiere

Rabsch beobachtet etwa seit dem Jahr 2006 ein steigendes Interesse an Reptilien. „Die artgerechte Haltung der Tiere in Terrarien ist durch moderne Steuerungstechnik zum Beispiel der Temperatur leichter geworden“, sagt er. Zudem sei eine ausreichende Versorgung mit Lebendfutter durch Zoohandlungen gewährleistet. Und so gehören nicht nur Hund, Katze oder Kaninchen zu beliebten Mitbewohnern der Deutschen, sondern auch immer mehr Schildkröten, Schlangen, Geckos, Chamäleons und Bartagamen. Laut einer Statistik gibt es in Deutschland etwa 800.000 Terrarien. Das ist lediglich eine grobe Schätzung. Denn jedermann kann sich so ein Tier anschaffen. Gelegenheit zum Kauf gibt es nicht nur in Fachgeschäften, sondern auch auf Reptilienbörsen, die sich in Deutschland wachsender Beliebtheit erfreuen.

Doch was unter den Tierfreunden wenig bekannt ist: Reptilien sind Träger und Ausscheider von Salmonellen. Sie werden bei bis zu 90 Prozent der Tiere nachgewiesen. Oftmals finden die Wissenschaftler bei den Tieren sogar mehr als eine Salmonellen-Art. Und das kann für den Menschen gefährlich werden. „Besonders für kleine Kinder“, sagt Rabsch.

Wie aber kommen Säuglinge mit Schlangen, Schildkröten oder Bartagamen in Berührung?

„Es handelt sich meist um Kontaktinfektionen“, erklärt der Wissenschaftler. Die Salmonellen lebten nicht nur im Darm, sondern auch auf der Außenhaut der Tiere. Rabsch spricht von einem Biofilm, einem Gebilde auf der Reptilienhaut, das bei Wärme und Feuchtigkeit, also in der Umgebung, in der sich die Tiere wohlfühlen, wachse. Und die Salmonellen in diesen Biofilmen seien auch in Sandpartikeln und an den Glaswänden des Terrariums überlebensfähig. Sowie ein Mensch das Tier berühre, etwa beim Füttern oder beim Säubern des Terrariums, habe er die Salmonellen auf der Hand. „Wie schnell passiert es dann, dass beispielsweise die Nase juckt, es wird sich ins Gesicht gefasst und anschließend das Baby geknuddelt“, ergänzt er. Oder es werde gestreichelt, an den Händen gefasst, die es anschließend in den Mund steckt. Oftmals seien es auch ältere Geschwister, die mit der doch so niedlichen Bartagame oder Schildkröte spielten wie mit ihrer Puppe, sie kuschelten, küssten und anschließend das Geschwisterchen anfassen. Sie gefährden so übrigens nicht nur den Säugling, sondern auch sich selbst.

Keine Gefahr für gesunde Erwachsene

Übertragungswege gebe es viele, meint Rabsch. Ja, es sei nicht einmal ausgeschlossen, dass die Salmonellen im Biofilm etwa durch den Staub, den der Besitzer bei der Reinigung des Terrariums oder beim Füttern der Tiere aufwirbelt, übertragen werden. Er berichtet zudem von Fällen, wo bei Katzen oder anderen Haustieren, die im Haushalt zusammen mit den Reptilien frei herumlaufen, die gleichen Erreger nachgewiesen wurden.

„Gesunden Erwachsenen können diese Salmonellen in der Regel nichts anhaben“, sagt Rabsch. Doch ein Säugling habe in den ersten sechs Monaten nur das angeborene Immunsystem. Erst danach entwickelten sich langsam zusätzliche Abwehrkräfte. Die Empfehlung des RKI lautet deshalb: Wenn Kinder unter fünf Jahren im Haushalt sind, sollten keine Reptilien gehalten werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite unter anderem was Rolf Schumann von der Reptilienauffangstation in Weißenfels über den Umgang von Kleinkindern mit Reptilien hält.

nächste Seite Seite 1 von 2