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Eurokrise: Immer mehr Sachsen-Anhalter entscheiden sich für den Hausbau

Uhr | Aktualisiert 27.01.2013 22:06 Uhr

Die Eurokrise und äußerst niedrige Zinsen haben auch in Sachsen-Anhalt einen regelrechten Boom im privaten Wohnungsbau ausgelöst. (FOTO: DPA)

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Die Eurokrise und äußerst niedrige Zinsen haben auch in Sachsen-Anhalt einen regelrechten Boom im privaten Wohnungsbau ausgelöst.
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Halle (Saale)/MZ. 

"Die Errichtung von Ein- und Mehrfamilienhäusern hat in den vergangenen beiden Jahren deutlich angezogen", erklärte Susann Stein, Sprecherin des Bauindustrieverbandes, der MZ. So stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude im Jahr 2011 um 17,3 Prozent auf 1 773. Ein Wachstum, das sich auch 2012 fortsetzte. Für viele Häuslebauer gehe es vor allem um eine sichere Kapitalanlage, das sogenannte "Betongold", sagte die Sprecherin.

Der Trend zum Eigenheim spiegelt sich auch in den Bilanzen der Sparkassen wider. Sie bewilligten von Januar bis Juni 2012 Wohnungsbaukredite von insgesamt 214 Millionen Euro - ein Anstieg von 25,7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Diese Entwicklung habe sich in der zweiten Jahreshälfte auch fortgesetzt, sagte eine Sprecherin des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV). "Offenbar sind die Sparer durch die vielen, für sie oft undurchschaubaren Krisenmeldungen verunsichert", sagte Präsident Claus Friedrich Holtmann. "Und in als unsicher empfundenen Zeiten wird Wohneigentum als größtmögliche Sicherheit angesehen."

Auch Christof Wockenfuß, Leiter Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau, spricht angesichts von Inflationsängsten und Eurokrise von einer "Flucht in Sachwerte". Der Baubranche habe dies eine so gute Lage beschert, wie es sie in Sachsen-Anhalt seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr gegeben habe. So erklärten in der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage 59,1 Prozent der Betriebe aus dem Baugewerbe, ihre derzeitige Lage sei gut. "Das ist fast ein historischer Spitzenwert", sagte Wockenfuß.

Diese positive Entwicklung schlägt sich auch in den Bilanzen der Betriebe nieder. Allein die großen Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern erwirtschafteten im Wohnungsbau von Januar bis November 2012 fast 739 Millionen Euro. Damit legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent zu. "Der Wohnungsbau hat damit entscheidend die Konjunktur getragen", sagte Verbandssprecherin Stein. Ähnlich zufrieden äußerte sich auch Sachsen-Anhalts Bauminister Thomas Webel (CDU). "Die aktuelle Lage in der Bauwirtschaft ist sehr erfreulich." Die Branche habe sich in Krisenzeiten als "wirtschaftlicher Stabilitätsanker" erwiesen.

Bauindustrie und IHK rechnen aber in den nächsten Monaten mit einer Abschwächung des Booms. "Die Auftragsbücher sind zwar noch voll", sagte IHK-Experte Wockenfuß, "doch die Geschäftserwartungen haben sich bereits eingetrübt". Laut IHK-Konjunkturumfrage erwarten die meisten Betriebe, dass sich ihre Lage verschlechtert (36,5 Prozent) oder bestenfalls gleich bleibt (59,6 Prozent). Die Bauindustrie rechnet auch wieder mit steigenden Zinsen für Häuslebauer.

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