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Eisleben: Razzia bei den Stadtwerken

Uhr | Aktualisiert 26.04.2012 22:40 Uhr
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Das Gebäude der Stadtwerke in Eisleben

Das Gebäude der Stadtwerke in Eisleben. (FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK)

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter des Eisleber Energieversorgers und einen Bauunternehmer. Ihnen werden Betrug und Untreue vorgeworfen.
eisleben/MZ. 

Die Stadtwerke Eisleben und ein Bauunternehmer aus dem Eisleber Ortsteil Unterrißdorf sind im Visier der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen zwei leitende Mitarbeiter des Energieversorgers und den Unternehmer wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs in mehreren Fällen. "Wir haben gewichtige Anhaltspunkte für Straftaten", sagte Heike Geyer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität, der MZ.

Ermittler haben am Donnerstag Geschäftsräume bei den Stadtwerken sowie in der Baufirma durchsucht. Sie stellten umfangreiche Unterlagen sowie elektronische Daten sicher. Nach Angaben der Staatsanwältin soll die Baufirma seit vergangenem Jahr bei den Stadtwerken Scheinrechnungen eingereicht haben. Diese Rechnungen seien bezahlt worden, obwohl keine Leistungen erbracht wurden. Den Eisleber Stadtwerken könnte dadurch ein Schaden von mehr als 100 000 Euro entstanden sein, teilte die Staatsanwältin mit. Deshalb werde nun wegen Untreue ermittelt.

Der Vorwurf des Betruges betrifft die Geschäftsbeziehungen zwischen den Stadtwerken und dem Betreiber des Stromnetzes in der Region, der Envia-M mit Sitz in Chemnitz. Von den Stadtwerken sollen dem Netzbetreiber wissentlich falsche Angaben zu den bezogenen Strommengen gemacht worden sein. Die beschuldigten Stadtwerke-Mitarbeiter hätten, so der Vorwurf, zu niedrige Werte übermittelt. So könnte dem Netzbetreiber ein Schaden "in noch unbekannter Höhe entstanden sein", erklärte die Staatsanwältin.

Die Schadenshöhe könne erst beziffert werden, wenn die sichergestellten Unterlagen ausgewertet sind. Das werde sich noch hinziehen, sagte Geyer. Wie die Staatsanwaltschaft auf die Spur der mutmaßlichen Straftäter gekommen ist, dazu ließ sie nichts verlauten.

Der Regionalversorger Envia-M ist noch mit 42,5 Prozent an den Eisleber Stadtwerken beteiligt. Die Stadt verhandelt derzeit mit dem Regionalversorger über den Erwerb dieser Anteile, um künftig sämtliche Gewinne allein einstreichen zu können.

Die Eisleber Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (parteilos), die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke ist, wollte sich nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern. Auch von der Baufirma war keine Stellungnahme zu erhalten. Envia-M erklärte, die Ermittlungen seien bislang nicht bekannt.

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