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Duale Studiengänge: Zahl der Studenten in Sachsen-Anhalt soll weiter steigen

Uhr | Aktualisiert 29.01.2013 22:01 Uhr
Birgitta Wolff, Wissenschaftsministerin: «Die Hochschulen haben die Entwicklung verschlafen.»   (BILD: ARCHIV/BIEL)
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In Sachsen-Anhalt soll die Zahl der Studenten in einem dualen Studiengang in den nächsten Jahren drastisch steigen. Die Rektoren haben Zweifel.
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Magdeburg/MZ. 

In Sachsen-Anhalt soll die Zahl der Studenten in einem dualen Studiengang in den nächsten Jahren drastisch steigen. Wirtschafts- und Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) erklärte, Ziel sei es, künftig 1 000 bis 1 500 Studenten im Erstsemester parallel ein Studium und eine Berufsausbildung absolvieren zu lassen. Das entspräche bis zu einem Viertel aller Erststudenten in Sachsen-Anhalt.

Zwar hat sich die Zahl der Studenten in dualen Studiengängen in den vergangenen drei Jahren laut Wolff verdoppelt. Dennoch absolvieren derzeit nur 495 der noch 55 000 Studenten im Land neben ihrem Studium eine Berufsausbildung - also etwa 100 je Studienjahr. Wolff bezeichnete das Vorhaben als "Baustein zu unserer Gesamtstrategie der Fachkräftegewinnung". Für die Unternehmen bedeute dies, Fachkräfte zeitig an sich zu binden; für die Studenten eine in der Regel sichere Perspektive in einem attraktiven Arbeitsplatz. Und: "Ein duales Studium ist sexier als eine reine Berufsausbildung."

Allerdings gibt es in Sachsen-Anhalt mehrere Gründe, warum die Zahl der Absolventen dualer Studiengänge noch so gering ist: "Die Hochschulen im Land haben die Entwicklung in den ersten zehn Jahren verschlafen", so Wolff.

Andere Bundesländer, wie etwa Baden-Württemberg, seien da aktiver. Inzwischen hätten sich zwar alle Hochschulen im Land für duale Studiengänge geöffnet und auch alle rechtlichen Hindernisse seien beseitigt, so Wolff. Insgesamt 22 Studiengänge würden angeboten - die Mehrzahl davon an der Magdeburger Uni und der Hochschule Anhalt. Jetzt aber fehle es an einer kontinuierlichen Nachfrage der Unternehmen. Bislang seien es nur 20 vor allem größere sowie 100 weitere Firmen, die sporadisch Auszubildende schicken.

Ein Problem, das auch der Vorsitzende der Rektorenkonferenz Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann, bestätigt: "Die Hochschulen sind inzwischen bereit, sich jedem Wunsch der Unternehmen zu beugen. Doch deren Nachfrage muss sich verstetigen." Willingmann weiß aber auch, dass sich dieser Wunsch angesichts der kleinteiligen Wirtschaftsstruktur im Land nur schwer erfüllen lässt: "Die Betriebe hier brauchen in der Regel nicht zwei bis drei Ingenieure pro Jahr, sondern einen alle drei Jahre." Willingmann hält daher Wolffs Vorstellungen, die Zahl der Studierenden in dualen Studiengängen in den nächsten Jahren mindestens zu verzehnfachen, "für eine echte Herausforderung". Zumal ein solches duales Studium für die Studierenden eine erhebliche Belastung bedeute.

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