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Drogenrausch: «Engelstrompete ist ein Teufelszeug»

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Der junge Mann war nie negativ aufgefallen. Das Elternhaus intakt, die Leistungen in der Schule gut - ein normaler 18-Jähriger. Dann empfahl ihm ein Freund, Blüten der so genannten Engelstrompete zu probieren. Das mache "high", bringe einen "Kick". Der Hallenser kochte sich Tee aus einigen Blüten - und erlebte einen Horror-Trip: Unter dem Einfluss von Halluzinationen schnitt sich der Schüler mit einer Heckenschere einen Teil seiner Zunge und fast den gesamten Penis ab.
Halle/MZ. 

Der junge Mann war nie negativ aufgefallen. Das Elternhaus intakt, die Leistungen in der Schule gut - ein normaler 18-Jähriger. Dann empfahl ihm ein Freund, Blüten der so genannten Engelstrompete zu probieren. Das mache "high", bringe einen "Kick". Der Hallenser kochte sich Tee aus einigen Blüten - und erlebte einen Horror-Trip: Unter dem Einfluss von Halluzinationen schnitt sich der Schüler mit einer Heckenschere einen Teil seiner Zunge und fast den gesamten Penis ab.

Noch Stunden, nachdem er den Drogentee getrunken hatte, spürte der 18-Jährige nach eigenen Angaben keine Wirkung. Kurz darauf wurde er von Mutter und Großmutter zu einem Besuch im Kleingarten der Familie abgeholt. "Aber ab dem Zeitpunkt, als er ins Auto stieg, hat er keine Erinnerung mehr an die Geschehnisse", berichtet der behandelnde Psychiatrie-Professor Andreas Marneros.

Mutter und Großmutter hätten, so der Psychiater, zunächst keinerlei Auffälligkeiten bemerkt. Im Garten habe der junge Mann kurz geschlafen. Dann sei er plötzlich aufgesprungen und im Gartenhaus verschwunden. Von dort sei er, nur mit einem Handtuch um die Lenden, aus dem Mund blutend und mit Blut verschmierten Beinen zurück gekehrt. Es stellte sich heraus, dass sich der 18-Jährige mit einer Heckenschere ein Stück Zunge und den Penis abgeschnitten hatte. Zwar wurden die Körperteile gefunden, konnten wegen Tiefe und Schwere der Verletzungen aber nicht mehr angenäht werden.

Nach Auskunft von Marneros war der Hallenser zuvor nicht auffällig. "Der Junge war psychisch und physisch gesund. Viele Eltern wären froh, wenn sie solche Kinder hätten." Mittlerweile ist er aus dem Krankenhaus entlassen. Doch der Schock sitzt tief. "Er braucht jetzt über Jahre hinweg psychotherapeutische Betreuung, um das zu verkraften", so Marneros.

Vor dem Hintergrund des Vorfalls warnt der Psychiatrie-Professor vor Experimenten mit der Engelstrompete. Durch den Drogentee habe der 18-Jährige eine toxische Psychose erlitten. Die Selbstverstümmelung sei eine Folge von Wahnvorstellungen: "Er hat das gemacht, weil die Halluzination ihm das sagte." Marneros, er ist Direktor der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Halle, will die exotische Pflanze mit ihren schönen Blüten am liebsten von Balkonen und aus Gärten verbannt wissen: "Die Engelstrompete ist ein Teufelszeug."