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Demonstrationen in Magdeburg: Tausende protestieren gegen Aufmarsch der Neonazis

Demonstranten

Linksgerichtete Demonstranten mit einem Transparent mit der Aufschrift "Nazifrei!" und Polizisten stehen sich am 18.01.2014 in Magdeburg gegenüber. Mit einem Großaufgebot will die Polizei Auseinandersetzungen am Rande eines Neonazi-Aufmarsches verhindern. Hintergrund ist der Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg am 16.01.1945.

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dpa

Magdeburg/Halle (Saale)/dpa/MZ -

mz-web.de berichtet über die Situation in der Landeshauptstadt.

Die aktuelle Lage:

Am frühen Sonntagmorgen dankte der Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, der Landes- und Bundespolizei sowie den eingesetzten Rettungskräften für ihren Einsatz am 17. und 18. Januar 2014 in Magdeburg. Laut einer Pressemitteilung verurteilte Stahlknecht die Angriffe auf Polizeibeamte, die Eingriffe in den Schienenverkehr und die erfolgten Sachbeschädigungen scharf: "Es ist dumm und unnötig, zur Meinungsäußerung Gewalt anzuwenden und Straftaten zu begehen."

Auch am Samstagabend gegen 20.25 Uhr zog eine Sprecherin der Polizei in Magdeburg eine insgesamt positive Tagesbilanz, verwies jedoch auf die noch ausstehende abschließende Auswertung durch alle beteiligten Einheiten. "Bisher können wir durchaus von einem gelungen Einsatz sprechen." Von Seiten der Polizei sei es gelungen, die angemeldeten Kundgebungen abzusichern und gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern. Dies sei das Hauptziel des Tages gewesen und in vollem Umfang erreicht.

Gegen 19.30 Uhr lag der Aufzug der Rechten laut Polizeisprecher in den letzten Zügen. Auch die Gegendemonstrationen würden allmählich dem Ende entgegen gehen. Bis dahin sei alles im Rahmen geblieben. Inzwischen seien auch deutliche Abwanderungsbewegungen erkennbar. Auswärtige Demonstranten würden sich zu ihren Sammelpunkten an Bussen begeben oder sich auf den Weg zu den Bahnhöfen machen.

Die zahlreichen bunten und lauten Aktionen der Gegendemonstranten in Magdeburg hatten etwa auf der "Meile der Demokratie" großen Zulauf. Insgesamt gehen die Veranstalter von 10.000 Teilnehmern aus.

Nach einer kurzen Zwischenstation am Bahnhof ist die Neonazi-Demonstration nun im Süden der Stadt, beim SKET Industriepark gestartet. Die Veranstalter sind laut Polizeisprecher Küssner nicht zufrieden mit der verkürzten Route. Die Polizei spricht von offiziell 700 Teilnehmern. Der Aufmarsch der Rechten ist mittlerweile in Lemsdorf angekommen. Rund 400 Gegendemonstranten wurden zeitweise in der Otto-von-Guericke-Straße in einem Gleisbett festgehalten. Grünen-Politiker Sebastian Striegel kritisierte die "Eskalationstaktik" der Polizei entschieden.

Der Demonstrationszug der Neonazis verläuft bisher ohne Störungen. Die Polizei leitet die Rechten an einer kleinen Sitzblockade in der Schilfbreite herum. An der Blockade beteiligt sich wohl auch der Grünen-Politiker Sören Herbst (MdL). Die weitere Route geht laut Polizei in Richtung Leipziger Straße. Etwa 100 Neonazis, die scheinbar den Anschluss an die Hauptversammlung verloren haben, demonstrierten spontan in Herrenkrug. Ein Sprecher der Polizei teilte mit, dass die Versammlung schon beendet sei.

Die bereits aufgebauten Lautsprecher für die Neonazi-Kundgebung wurden laut MZ-Informationen am Jerichower Platz abgebaut. Die knapp 600 Neonazis, die auf dem Weg nach Herrenkrug mit dem Zug an einer Blockade der Gegendemonstranten warteten, wurden laut Polizeiangaben zurück zum Hauptbahnhof gebracht. Sebastian Striegel von den Grünen wertete die Blockade als Erfolg. Die Kundgebung wird sich weiter verschieben. Die Polizei riegelt den Hauptbahnhof ab. Dort warten die knapp 700 Neonazis. Eine Alternativ-Route ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich will die Polizei die Teilnehmer in den Süden der Stadt bringen. Vor dem Bahnhof haben sich zahlreiche Gegendemonstranten versammelt.

Autonome greifen Zug mit Steinen an

An Bahnhof Neustadt haben laut Angaben eines Polizeisprechers 70 Linksautonome den wartenden Zug mit Teilnehmern der Neonazi-Demonstration mit Steinen attackiert. Die Polizei hat seine Einsatzkräfte dort verstärkt. Weitere Informationen gibt es bislang nicht.

Die Agentur dpa berichtet: Mit einem bunten Straßenfest haben sich die Magdeburger am Samstag einem Aufmarsch von Neonazis entgegengestellt. Auf der „Meile der Demokratie“ zeigten zahlreiche Verbände, Vereine und Einrichtungen Flagge gegen Rechts. An der Auftaktveranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz nahmen nach Angaben der Polizei etwa 800 Menschen teil. Zur Meile selbst werden etwa 10.000 Menschen erwartet.
Laut Bundespolizei waren bis zum Mittag etwa 800 Neonazis mit dem Zug angereist.

Laut MZ-Informationen wird die Demo der Neonazis auf der östlichen Seite der Elbe stattfinden. Die Rechten werden nach Herrenkrug geleitet. Zeitweise waren die Brücken über die Elbe gesperrt. Auch Anwohner hatten keinen Zugang mehr. Die Jerusalembrücke und die Sternbrücke waren komplett gesperrt. so der MDR. Der Großteil der linken Gegendemonstranten hat sich im Süden der Stadt verteilt. An der Sternbrücke kam es laut Initiative BlockMD zu Verletzten und Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen. Linke Demonstranten hatten versucht über die Brücke zu gelangen.

Zur Auftaktveranstaltung, die gegen 12 Uhr am Magdeburger Hauptbahnhof begann, kamen 500 Menschen. Oberbürgermeister Lutz Trümper fand klare Worte: "Die Magdeburger haben die Schnauze voll, dass die Neonazis jedes Jahr in Magdeburg protestieren".

Währenddessen kreiste über der Stadt seit einigen Stunden ein scheinbar von den Neonazis gechartertes Flugzeug mit einem Banner.

Am Magdeburger Hauptbahnhof kam es am Morgen laut Polizei zu Verzögerungen im Zugverkehr. Es gab laut ersten Aussagen einen Kabelbrand. Züge aus Halle, Leipzig und Berlin können nicht in den Bahnhof fahren. Die Züge standen fast eine Stunde in Schönebeck. Laut einer Bahnsprecherin ist die Sperrung der Strecke wieder aufgehoben. Es kann zu Folgeverzögerungen kommen. Die Ursache für den Brand ist noch nicht geklärt. Allerdings wird vermutet, dass ein Anschlag dahinter steckt. Im linken Forum "indymedia"ist derweil ein Bekennerschreiben aufgetaucht.

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