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Deichbruchstelle in Fischbeck: Panzersperren sollen Hochwasser stoppen

Ein Bundeswehrhubschrauber mit einem großen Sandsack (Big Bag) in Sandau (Sachsen-Anhalt).

Ein Bundeswehrhubschrauber mit einem großen Sandsack (Big Bag) in Sandau (Sachsen-Anhalt).

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dpa

Barby/Kamern/Magdeburg/dpa -

Trotz leicht sinkender Pegel der Elbe hat sich die Hochwassersituation im Norden Sachsen-Anhalts weiter verschärft: Nach wie vor fließen gewaltige Wassermengen über einen gebrochenen Deich bei Fischbeck (Landkreis Stendal). Bislang ist es der Bundeswehr nicht gelungen, den Deichbruch zu schließen, weil selbst tonnenschwere Big Bags von den Fluten mitgerissen werden.

Daher hat sich das Land jetzt zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: „Sonnabendfrüh wird die Bundeswehr mit Hubschraubern Panzersperren vor der Deichbruchstelle versenken“, erklärte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). Diese sogenannten Stahligel sollen einen festen Untergrund bilden, um darauf zwei alte Lastkähne versenken zu können. Die Kähne sind für diesen Zweck mit Sprengmatten ausgerüstet worden und ein ziviler Kapitän soll sie mit einem Schlepper vor die Deichbruchstelle ziehen. „Die Aktion ist hoch riskant“, so Stahlknecht. Das größte Risiko trage der Kapitän. Zu seiner Sicherheit solle deshalb ein Rettungshubschrauber mit herabgelassenen Seilen über der Aktion kreisen. „Wenn die Boote planmäßig versenkt sind sollen Hubschrauber 1.000 Big Bags voller Sand in die Boote versenken“, erklärte der Minister, der die Aktion selbst koordinieren will. „Wenn die Aktion gelingt, ist der Deich geschlossen und kein Wasser kann von dort mehr in den Elbe-Havel-Winkel fließen“, so Stahlknecht.

Das Wasser der Elbe breitet sich derweil immer weiter östlich des Flusses im Elbe-Havel-Winkel aus. Nach den Gemeinden Fischbeck, Schönhausen, Wust und Kamern, die bereits ganz oder teilweise überspült sind, müssen sich nach Angaben des Krisenstabes der Landesregierung weitere Dörfer auf eine Evakuierung vorbereiten: Kuhlhausen, Garz, Warnau und Jedritz. „Die Situation spitzt sich immer weiter zu, nachdem in der Nacht zum Freitag auch noch zwei Notdeiche gebrochen sind“, sagte die Sprecherin des Katastrophenstabes, Anke Reppin. Feuerwehren und die Bundeswehr würden zum einen versuchen, diese Behelfsdeiche zu reparieren, zudem sollen weitere Sandsack-Barrieren die Fluten kanalisieren.

Der Versuch, die Wassermassen über eine eigens geschlagene Scharte in einer Landstraße in die Polder im brandenburgischen Havelland abzuleiten, sei nur teilweise gelungen. „Wir hatten uns einen stärkeren Abfluss gewünscht“, so Reppin. Daher sollte Freitag auch eine zweite Straße nördlich von Kuhlhausen aufgebrochen werden.

In der Gegend um Aken soll wahrscheinlich am Sonnabend eine Bresche in einem Deich bei Breitenhagen mit einer Sprengung deutlich vergrößert werden, um einen schnelleren Abfluss aus überfluteten Landstrichen zu ermöglichen. „Wir wollen dann überprüfen, wie erfolgreich die Aktion war und dann gegebenenfalls ein zweites Mal sprengen“, sagte Reppin am Freitag.