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Coswig: Gefährliche Lücke am Feuerlöschteich

Uhr | Aktualisiert 14.01.2013 23:19 Uhr

Aus dem Löschteich könnte sich selbst ein Erwachsener nur schwer retten. (FOTO: ACHIM KUHN)

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Nach dem Tod eines Zehnjährigen in einem Löschwasserteich beginnt in Coswig die Debatte um die Sicherheit des Geländes. Die Stadt weist Vorwürfe zurück.
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Coswig/MZ. 

"Phillip, wir denken an Dich." Auf der dünnen Schneedecke über der Sitzgruppe am Spielplatz in Coswig (Landkreis Wittenberg) haben Einwohner ihre Trauer in Worte gefasst. Auch ein Briefchen liegt auf dem Tisch, die Kerze ist verloschen. Gleich nebenan ist der Feuerlöschteich, in dem am Sonnabend der zehnjährige Junge ums Leben kam, als er einen Fußball zurückholen wollte und durch die dünne Eisdecke brach. Jetzt sind Blumen und Plüschtiere am Zaun abgelegt, der den Ort des Dramas von der Straße abgrenzt.

In der Grundschule Am Schillerpark hat sich die Klassenlehrerin des Verunglückten auf den traurigen Tag vorbereitet. Mit Fotos und Arbeiten von Phillip hat sie den Unterricht so gestaltet, dass die Kinder Abschied nehmen konnten. Laut Kultusministerium sind die Eltern der Mitschüler darüber informiert, wo sie bei Bedarf psychologische Betreuung finden.

Viele Einwohner in der Kleinstadt sind geschockt, wagen sich das Leid der Eltern kaum vorzustellen. Zugleich werden Diskussionen darüber laut, ob das Unglück hätte vermieden werden können. Den Vorwurf, der Teich sei ungenügend gesichert gewesen, weist die Stadt zurück - die Polizei prüft das noch. Das Areal um Teich und Pumpenhaus ist von einem alten Maschendrahtzaun umgeben, der stellenweise provisorisch geflickt wurde. Um den Teich herum gibt es nochmals einen Stahlgitterzaun. Der schließt jedoch auf der Nordseite des Pumpenhäuschens nicht bis zur Abgrenzung zur Straße auf. So ist es ein Leichtes, vom Sportplatz aus an den Teich zu gelangen.

Ein Trampelpfad und eine größere Lücke in der Hecke zeigen, dass dort öfter jemand durchschlüpft. Vor allem Kinder und Jugendliche scheren sich nicht darum, dass das verboten ist. "Wir haben schon oft Kinder dort weggeholt, eben weil der Feuerlöschteich so gefährlich ist", berichtet Gunda Ziese, Schatzmeisterin der Fußballabteilung des SV Blau-Rot. Ob der Junge diesen Weg genommen hat, um den Fußball vom Eis zu holen, oder klein genug war, um sich durch die Streben des Tores zu zwängen, ist noch unklar. "Das müssen wir uns erst ansehen", sagte der Coswiger Ordnungsamtsleiter Thomas Schneider, auf die lückenhafte Umgrenzung angesprochen.

Grundsätzlich gilt für ausgewiesene Löschwasserteiche eine Zaunpflicht - festgelegt in einer DIN-Norm. 1,25 Meter hoch muss die Umzäunung demnach mindestens sein. Im Ernstfall stellt das keine Hürde dar, wissen Experten allerdings auch. Von dem Problem, dass die rutschige Teichfolie an den Rändern eine Rettung aus eigener Kraft erschwert und - wie in Coswig - auch den Einsatzkräften Probleme bereitet: kein Wort in der DIN, wie ein Mitarbeiter des Instituts für Normung sagt. Dicht muss der Teich sein, fordert die Regel.

Grundsätzlich gelte auch, dass die Zäune zu kontrollieren und zu reparieren sind, sagt Heinz Plotzitzka, Jurist beim Kommunalen Schadensausgleich in Hannover. Wie engmaschig das passieren muss, hänge davon ab, in welcher Umgebung der Löschteich liegt.

Im Einzelfall entschieden werden müsse auch, wie andere Gewässer - etwa der schlichte Dorfteich - abgesichert werden müssen, heißt es beim Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt. Nicht überall sei ein Zaun nötig oder gewollt. "Unsere Kommunen bemühen sich, Gewässer ordentlich zu sichern", sagt Geschäftsführer Jürgen Leindecker. "Dass jemand über den Zaun steigt oder sich sonst Zugang verschafft, kann man aber nie ganz ausschließen." Umso mehr gelte nach solchen Unfällen, in Schule und Elternhaus auf Gefahren hinzuweisen. "Die Konsequenz muss sein: aufklären, aufklären, aufklären."

Dass in Coswig schon einmal ein Kind in den Teich gefallen sein soll, wie es jetzt verlautete, wird im Rathaus im Übrigen nicht bestätigt. "Ich wüsste davon", sagt auch der Vorsitzende des Ordnungsausschusses, Polizist Henry Niestroj. Bürgermeisterin Doris Berlin (parteilos) weist zudem Behauptungen zurück, der Feuerlöschteich hätte längst zugeschüttet werden sollen, weil er nicht mehr gebraucht werde. "Wir haben auf der einen Seite den Gewerbebetrieb und das Sozialgebäude von Blau-Rot, auf der anderen Seite die Wohnsiedlung." Vom Hydranten sei der Druck für das große Areal zu gering, heißt es.

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